Das archetypische Muster der Heldenreise

Von Helden der Menschheit

Archetypische Muster sind besonders interessant, um die Faszination von Mythen zu verstehen. 

Denn diese archetypischen Muster sind es, durch die Menschen sich selbst in mythischen Erzählungen wieder finden können. Doch was sind solche Muster und wie wirken sie? 


Am leichtesten verständlich wird das Wirken von archetypischen Mustern vielleicht bei einem Helden. Ein Held fällt sozusagen aus der Rolle und zieht damit die Aufmerksamkeit von vielen Menschen auf sich.

Außerdem ist die Struktur der Heldenreise eben jenes Muster, das Joseph Campbell in allen Mythen der Welt als DAS zentrale Muster herausgefunden hat. 

Was also ist ein Held?

So leicht ist das vielleicht nicht zu beantworten. Findet man doch zum Beispiel in einem Krieg Helden sowohl auf der einen Seite als auch auf der anderen. Nacheifern willst du ihnen deshalb vermutlich dennoch nicht. 

Was also ein Held tut, wird noch nicht das gesuchte archetypische Muster sein. Denn das wäre nicht nur hoffnungslos, sondern auch nicht erstrebenswert. Im Krieg hieße das ja zum Beispiel: Ganz besonders viele Feinde töten: Siehe Achill, Herakles, Aragorn, Legolas, Gimli oder ein Scharfschütze im 2. Weltkrieg, der seinen Job perfekt beherrscht.

Die entscheidende Heldentat ist, so auch der Mythenforscher Joseph Campbell, nicht die konkrete bestimmte Tat - sondern Löwen töten oder sich gegen eine allmächtige Autorität auflehnen kann (ein Beispiel für) eine Heldentat sein. Aber nicht umgekehrt ist nicht jedes Töten und nicht jede Rebellion eine Heldentat. 

Joseph Campbell kommt es auf einen ganz anderen Punkt an. Ihm geht es darum, dass ein Held sich auf eine Weise verhält, die für ihn selbst normalerweise unmöglich wäre. 

Aber unter bestimmten Umständen eben doch. Nämlich dann, wenn die Situation es erfordert, über sich hinaus zu wachsen.

Ist dein liebstes in Gefahr, wachsen dir Bärenkräfte, es zu retten. Wenn es drauf ankommt, wenn es wirklich sein muss, dann und nur dann werden Menschen zu Helden. Nicht jeder, nicht zwangsläufig. Aber doch erstaunlich viele. 

Wie das möglich lässt sich ganz gut mit dem erklären, was Joseph Camphell und C.G. Jung als archetypische Muster analysiert und an vielen Beispielen beschrieben haben. Das Heldenmuster ist wie gesagt nur eines dieser archetypischen Muster. 

Jeder Mensch hat dieses - wie auch alle anderen - archetypische Muster in sich. Und das ist eine Ressource, die es - möglichst sinnvoll - einzusetzen gilt. 

Archetypische Muster aktivieren - der Ariadnefaden

Archetypische Muster - Heldenreise TheseusHelden der Menschheit sind Menschen, die das Abenteuer ihres eigenen Lebens wagen. Egal (fast), ob sie dabei gewinnen oder verlieren. Der tiefere Sinn nebenbei des Sprichworts: Wer wagt, der gewinnt. 

Menschen also, die ihr Helden-Potential nicht (nur) mehr oder weniger spontan in einer heldenträchtigen Situation einsetzen, sondern selbst entscheiden, wofür sie zu Helden werden. 

Einer von ihnen, ein paradigmatischer Held eben, war Theseus. Am Beispiel von Theseus beschreibt Joseph Camphell, worauf es bei dem was er das Abenteuer des Lebens nennt, ankommt: 


Bill Moyers: Wie töte ich diesen Drachen in mir? Was ist die Fahrt, die jeder von uns zu machen hat, "das hohe Abenteuer" der Seele, wie Sie es nennen?

Joseph Campbell: Mein allgemeines Rezept für meine Studenten ist: "Folgen Sie Ihrer Freude!" Finden Sie heraus, wo sie ist und haben Sie keine Angst, ihr zu folgen.

Bill Moyers: So gesehen, begeben wir uns, anders als Helden wie Prometheus oder Jesus, nicht auf unsere Fahrt, um die Welt zu retten, sondern um uns selbst zu retten? 

Joseph Campbell: Aber indem wir das tun, retten wir die Welt. Der Einfluss einer vitalen Person vitalisiert, daran gibt es keinen Zweifel. Die Welt ohne Geist ist eine Wüste. Manche Leute bilden sich ein, die Welt retten zu können, indem sie dies und das umstellen, die Regeln ändern und wer an der Spitze ist und so weiter.

Nein, nein! Jede Welt hat ihr Recht, solange sie lebendig ist. Es gilt vielmehr, Leben hineinzubringen, und das geht nur so, dass man in seinem eigenen Fall herausfindet, wo das Leben ist, und selbst lebendig wird.
...

Bill Moyers: Mir gefällt, was Sie über den alten Mythos von Theseus und Ariadne sagen: Theseus sagt zu Ariadne: "Ich werde dich ewig lieben, wenn du mir einen Weg zeigen kannst, wie man aus dem Labyrinth herauskommt." Sie gibt ihm darauf ein Garnknäuel, das er abwickelt, während er in das Labyrinth hineingeht und dem er dann wieder folgt, um den Weg nach draußen zu finden. Sie sagen: Alles was er hatte, war eine Schnur, mehr braucht man nicht.

Joseph Campbell: Mehr braucht man nicht - nur einen Ariadnefaden.


Struktur der Heldenreise - nach Campbell

  • Ausgangspunkt ist die gewohnte Welt des Helden - oft eine Krise.
  • Der Held wird zum Abenteuer gerufen - durch einen Zufall, einen Fremden, eine Stimme.
  • Dem Ruf zu folgen verweigert er sich zumeist.
  • Ein Mentor überredet ihn, die Reise anzutreten. Das Abenteuer beginnt.
  • Der Held überschreitet die erste Schwelle, nach der es kein Zurück mehr gibt.
  • Erste Bewährungsproben - der Held trifft dabei auf Verbündete und Gegner.
  • Der Held dringt bis zur tiefsten Höhle vor und trifft dabei auf seinen größten Feind.
  • Die entscheidende Prüfung - Konfrontation, Überwindung des Feindes (als Feind).
  • Der Held wird belohnt, indem er einen Schatz bekommt oder ihn raubt.
  • Der Held tritt - mit seinem Schatz - den Heimweg an.
  • Durch das bestandene Abenteuer ist der Held zu einer neuen Persönlichkeit gereift.
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Kommentare

Archetypische Muster ???

Verstehe ich das jetzt richtig, dass eigentlich jeder ein Held sein könnte?
Nicht nur wenn´s drauf ankommt, sondern auch wenn ... hm, ich glaube, ich habe das noch nicht so richtig verstanden. Vielleicht kann mir ja jemand auf die Sprünge helfen.

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