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Timoto erscheint bei Enki und Enlil
Enki und Enlil, zwei uralte sumerische Götter.
Sie wissen inzwischen, dass sie von den Menschen erschaffen wurden, die Menschen zu erschaffen - und zu zerstören.
Glücklich sind sie mit ihren Rollen nicht. Und suchen nach Auswegen.
Summery der bisherigen Geschichte:
Enki und Enlil treffen sich als Enlil von seiner jüngsten Inkarnation zurückkehrt.
Enlil ist nicht zufrieden mit seinem Job. Und beklagt sich bei Enki über die Beschränktheit der Menschen. Sie sei bei jedem anders. So fragt Enki nach Beispielen - nach Menschen, die er sich vorstellen kann. Enlil erzählt von Timotos Sorgen, dass ihm keiner zuhört.
Timoto mischt sich ein - im Traum wacht er auf. Mit Enki und Enlil sprechend.
Timoto
Du bist zu weit weg, Enlil. Zu weit weg von uns Menschen. Welchem all der Milliarden Menschen vertraust du?
Enki
Timoto hilft, ich hab so was geahnt.
Geahnt eben nur.
Deutlich denken und sprechen ist nicht mein Ding - als Schöpfergott, der gemacht ist.
Was wollte ich sagen?
Verdammt, schon wieder weg.
Enlil
Vertrauen wirst du gemeint haben, bin ich mir sicher. Soweit ich beoabachte, ist das ein Schlüsselwort von dir.
Ein Schlüsselwort, bei dem dir seit Jahrtausenden schon die präzisen Worte versagen.
Enki
Danke. Das war´s allerdings. Vertrauen, Enlil - dir und mir bleibt nichts anderes als den Menschen zu vertrauen. Sie sind die Götter - die uns erschaffen haben. Wenn auch höchst unvollkommene. Sie haben sich, das kenn ich von mir, etwas dabei gedacht - uns beide zu erschaffen.
Timoto
Einen verlotterten, ewig-geilen oder müde-erschöpften Schöpfergott - was für ein Werk.
Enki
Vielen Dank für das Feedback. Ich vertraue euch trotzdem.
Enlil
Und ich - wer bin ich? Das ist hier doch die Frage.
Timoto
Du bist zu weit weg. Du bist niemand, wenn du wissen willst, wer oder was du bist. Immer auf Distanz, in weiter Distanz, misstrauisch, kontrollierend, eifersüchtig, habgierig. Dennoch bist du, wenn auch leer. Wozu wir dich gemacht haben - da frag ich wohl Enki. Er ahnt die Spur, wie mir scheint.
Enki
Ich versuch´s mal:
Wenn Menschen die Götter sind - dann, Enlil, wirst du umso göttlicher, je mehr Menschen zu vertrauen kannst.
Enlil
Was für ein klarer Gedanke, Bruderherz.
Timoto
Spotten kannst du - doch mit welchem Nutzen, Enlil, tust du das?
Enlil
Sag diesem Schöpfergott, dass er gefälligst deutlicher mit mir reden soll.
Enki
So scheint Timoto wohl der, dem du immerhin schon ein wenig vertraust. Das lässt mich hoffen - für dich und für mich und für die Menschen.
Timoto
Deutlich wird für ihn sein, wenn es um ihn geht. Er ist kein Schöpfergott wie du, sondern ein Ich-Gott, ein Macht-Gott. Seine Welt dreht sich um ihn selbst. Das ist sein Job.
Enki
Ein schwerer Job. Und was ist daran sein Job? Ich-Götter sind inzwischen die meisten Menschen.
Timoto
Eben.
Enki
Was eben? Ich versteh kein Wort. Du weißt, dass ich - relativ - begriffsstutzig bin. Übrigens, Timoto, gefällst du mir.
Timoto
Als Mensch bin ich nur einer, immerhin nicht mehr allein mit mir. Doch kann ich nur aus meiner Erfahrung sprechen: Wir haben Götter wie Enlil nach unserem Vor-Bild gemacht. Ein Vorbild, das wir hassen. Nicht sehen wollen an uns. Deshalb so fern. So fremd, so übermächtig, gewaltig.
Enlil
Ein Vorbild, wenn ich auch mal was sagen darf, dem ihr fortan eifrigst nacheifert.
Timoto
Allerdings.
Enlil
Und nun, was habt ihr vor mit mir? Was man hasst, will man vernichten.
Enki
In deiner Logik, Enlil, meine Logik geht anders.
Enlil
Im Ernst?
Timoto
Er ist ein Schöpfergott. In seiner Logik ist alles was lebt, von heiliger Natur. Auch du.
Enlil
Und das heißt - für mich?
Enki
Wissen tue ich´s nicht. Mein Schlüssel ist Vertrauen in die Schöpfung der Menschen. Wenn die Menschen dich erschaffen haben, als einen Ich-Gott, ganz anders als mich, dann liegt darin auch ein Sinn.
Enlil
Selbst wenn ihn niemand sagen kann.
Timoto
Noch nicht. Doch ich höre auf Enkis Ahnungen. Sie kann ich vielleicht übersetzen. Enki, bitte sprich.
Enki
Als Ich-Gott muss Enlil entscheiden. Das bin ich und das bin ich nicht. Ein Ordnen, das mir sehr schwer fällt. Und doch wohl wichtig ist. Ein Mensch will ja nicht nur allgemein Gott, sondern selbst Gott sein. Nur hat Enlil wohl den Fehler gemacht, von sich auf alles zu denken. Wollte zugleich auch Schöpfergott sein und mich durch seine Ordnung ersetzen. Seine Maßstäbe seien die Maßstäbe der Welt. Das erzeugt Hass.
Timoto
Ja - ich verstehe - der Hass. Und deshalb muss Enlil zuerst geheilt werden. Nicht zerstört, sondern geheilt. Richtig, Enki?
Enlil
Geheilt wovon?
Enki
Vom Misstrauen gegen alles was nicht du bist. Oder glaubst es nicht zu sein.
Enlil
Und geheilt - wozu? Was ist dann anders?
Timoto
Du wirst zum Gott, je mehr du das Göttliche der anderen spürst.
Enlil
Timoto - höre dir zu.
Enki
Und mit ihm werden alle Menschen geheilt?
Timoto
Ein wenig - ja. An der Wurzel werden sie geheilt. So dass sie selbst heilen sich können.
Enlil
An einer der Wurzeln vielleicht. Die tiefere Wurzel dürfte die Enki-Krankheit sein.
Timoto
Gut möglich, Enlil. Enki ist der Ältere von euch beiden. Und du eine Antwort auf ihn. Doch leidet Enki mehr an dir als an sich selbst. Er wird sich solang nicht zerstören.
Enki
Und welches - wär meine Krankheit?
Timoto
Du weißt es nicht? Wer bist du geworden - als Enlil kam?
Enki
Das pure Leben. Die Schlange. Die Schlange, die sich selbst fressen muss, um zu leben. Zum Schluss der Teufel selbst.
Timoto
Das hast du als Fluch verstanden?
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Die Götter regen sich.
Sie wandeln sich.
Sie regen sich selbst.
Sie regen sich auf.
Sie regen sich wieder.
Dich aufzuregen.
Wo aber sind diese Götter?
Sie regen sich - du spürst sie manchmal.
Sie regen dich auf, wenn du träumst.
Sie regen sich wieder für dich,
Der du lebst.
Sie regen sich in dir.
Wo sonst.
Was glaubst du bloß,
wer du bist?



