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Die heilige Stadt am Ganges Varanasi

Sadhus in der heiligen Stadt_am_Ganges
Sadhus in der heiligen Stadt_am_Ganges

Für die Hindus ist die Stadt Varanasi, gelegen am Ganges, eine heilige Stadt. Die Stadt am Fluss Ganges wird vor allem von Priestern, Pilgern und Verstorbenen bestimmt.

In Varanasi ist die alte Kultur des Totenkultes im Hinduismus greifbarer als anderswo in Indien. Varanasi ist eine ganz besondere Stadt. Und überall in der Stadt am Ganges ist ein eigener Zauber spürbar.

Der Tod ist in Varanasi sichtbar und ein freudiges Ereignis

Varanasi am Fluss Ganges
Varanasi am Fluss Ganges

Der Tod ist in der heiligen Stadt öffentlich und für jeden sichtbar. Das macht es so schockierend, aber gleichzeitig auch beruhigend. Für Fremde mag es ein entsetzliches, unvorstellbares Szenario sein, wenn die Toten neben trinkenden und rauchenden Männern auf die Verbrennung sozusagen „warten.

Unvorstellbar für einen Europäer ist es auch auch erstmal, dass Angehörigen weder klagen noch trauern. Doch das hat einen einleuchtenden Grund: Würden sie weinen und klagen, findet die Seele der Toten keine Ruhe, weil sie zu sehr mit der Erde verbunden bleibt. Denn der Tod ist für die Hindus wie auch für die Buddhisten eine Erlösung, also ein Grund zur Freude. 

Die heilige Stadt am Ganges

Varanasi ist eine nordindische Stadt und gilt als eine der ältesten Städte Indiens. Rund 3000 Jahre soll sie sein. Auf jeden Fall gilt Varanasi als spirituelle Hauptstadt Indiens. Viele Hindu-Pilger kommen hier her, um im heiligen Wasser des Ganges zu baden oder: Um hier zu sterben. Die Stadt ist voller Hospize. 

Doch Varanasi, die Stadt am Ganges, ist nicht nur den Hindus heilig, die Stadt ist auch für Buddhisten bedeutsam. Denn hier an den Ufern des Ganges im heutigen Bundesstaat Uttar Pradesh, verkündigte Buddha vor mehr als 2500 Jahren seine Lehre. Die Stadt ist über 4000 Jahre alt und hier lebt jeder Inder mit den Göttern.

Bereits mit der Dämmerung machen sich so viele Inder auf, um ihr heiliges und rituelles Bad im Ganges zu nehmen. Ganz schön viel los in der Stadt und das noch bevor es richtig hell ist. Hindus sollen wenigstens einmal im Leben nach Varanasi reisen.

Wer sich die Reise nicht leisten kann, bekommt von Verwandten oder guten Freunden das heilige Wasser mitgebracht. Deshalb ist es nicht weiter verwunderlich, dass sich in der Stadt so viele Pilger dicht an dicht drängen. Die Gesänge der Pilger erschallen in allen Gassen der Stadt. OM, die mystische Silbe, steht am Anfang und am Ende jedes Gebets.

Dichtes Gedränge am heiligen Fluss Ganges

Je näher sich die Menschen den Ganges nähern, umso dichter wird das Gedränge. Bunte Tücher, Süßigkeiten, Blumengestecke, Kerzen und Räucherstäbchen, alles wird in den Fluss geworfen, zum Gedenken an die lieben Verstorbenen. Die Gaben treiben sanft im Fluss, um dann, unbeachtet von der Menschenmenge, wieder an das Ufer gespült zu werden.

Entlang des Flusses reihen sich Tempel und alte Paläste, gut sichtbar der Tempel Scindia Ghat, der dem Gott Shiva gewidmet ist und der zur Monsunzeit vom Ganges überflutet wird. Immerhin kann der Flusspegel während der Regenfälle um bis zu 15 Meter steigen.

Die Ghats in der Stadt am Ganges

Einer der vielen Ghats am Fluss Ganges
Einer der vielen Ghats am Fluss Ganges

An den Ufern des Ganges gibt es etwa einhundert getreppte Bade- und Verbrennungsplätze – die sogenannten Ghats. 

Schon aus weiter Entfernung zeichnet sich ein schwarzer Fleck ab und lässt seine Bestimmung erahnen. Das Manikarnika-Ghat ist die Hauptverbrennungsstätte Varanasi. Hier arbeiten ausschließlich Menschen der untersten Kaste, die Unberührbaren. Sie breiten ein Tuch über die Toten und verbrennen sie mit Sandelholz.

Der Totenkult verlangt es, dass nur Männer bei der Verbrennung anwesend sein dürfen. Die Asche wird in den Ganges gestreut und damit der ewige Kreislauf der Wiedergeburt durchbrochen. So lehrt es zumindest der Hinduismus. Deshalb ist es der Traum jedes Hindus, in Varanasi bestattet zu werden. Aber in der heiligen Stadt zu sterben ist ein Luxus, den sich nur ganz wenige Inder leisten können.

Am Badeplatz direkt neben der Verbrennungsstätte betet ein Hindu sein morgendliches Gebet und schöpft sich das Wasser aus dem Fluss über den Kopf. So nahe liegen Leben und Tod wohl nirgendwo zusammen wie eben in Indien am Ganges.

In der Altstadt von Varanasi

Geht man vom Fluss Ganges in die Altstadt, trifft man auf unzählige Priester, die von Tempel zu Tempel gehen und von diesen gibt es viele in der Altstadt. Neben den berühmten Ghats am Ganges hat Varanasi über 2000 größere hinduistische und buddhistische Tempel. Zu vielen davon haben Nicht-Hindus keinen Zutritt.

Auffallend auch, dass sich an jeder Ecke, an jedem Haus ein Schrein befindet mit dem Lingam des Gottes Shiva, dem die Stadt Varanasi geweiht ist.

Vielleicht wirkt diese Religion für manchen Europäer wie ein Ausflug in das – europäische – Mittelalter. Aber was wissen wir schon von unserem Mittelalter. Die Toten, sicher, die waren damals viel sichtbarer an den Lebenden als heute. Aber die Verehrung des Gottes Shiva und noch mehr seiner Gemahlin Kali – dafür gibt es bei uns wohl keine Parallele. 

Varanasi ist eine Millionenstadt

Erstaunlich, wie schnell man, noch in Varanasi, wieder in das 21. Jahrhundert katapultiert wird, wie unweigerlich man wieder in der Gegenwart angelangt ist. Mit dem lauten Verkehrschaos, den unzähligen Motorrädern, dem ständigen Hupen und den waghalsigen Überholmanövern. Varanasi ist eine Millionenstadt. 

Literaturquellen: 

nzz.ch, mehrere Artikel über Varanasi, die Stadt der Toten

wikipedia.org zum Stichwort Varanasi 

indien-fieber.de, mehrere Artikel über Varanasi und seine Ghats

eigene Recherchen, Berichte meiner indischen Freundin

Bildquellen: 

Rajesh Balouria auf Pixabay / oreotikii auf Pixabay /  Kraig Seder auf Pixabay

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