Die Furcht und das Begehren

Frucht vor Ausschluss
Die Furcht und das Begehren - ein mythisches Gegensatzpaar.

Dieses in vielen Mythologie auftretende Paar wird in der christlichen Mythologie auch als die "Cherubim" bezeichnet. Als Cherumbim bewachen sie das Tor zum Paradies - dem Garten Eden.

Joseph Campbell, der berühmte Mythenforscher, findet dieses Gegensatzpaar nicht nur in einer, sondern in vielen mythischen Vorstellungen wieder.

Im Christentum, im Buddhismus, aber auch im alten Babylon findet man die Cherubim, die den ersehnten Garten bewachen.

Die Furcht (einer der Cherubim) auf der einen Seite und das Begehren auf der anderen, sind es, die den Menschen von dem trennen, was er eigentlich ist - göttlich. 

Götliche Natur, die sich ihrer selbst bewusst zu werden beginnt.


Joseph Campbell: In den Garten zurückzugelangen, ist das Ziel so mancher Religion. Als Jahwe den Menschen aus dem Garten warf, stellte er zwei Cherubim an die Pforte mit einem flammenden Schwert dazwischen.

Wenn man nun zu einem buddhistischen Heiligtum geht, in dem der Buddha unter dem Baum des unsterblichen Lebens sitzt, findet man an der Pforte zwei Wächter - das sind die Cherubim, und man geht zwischen ihnen hindurch zum Baum des unsterblichen Lebens.

In der christlichen Überlieferung hängt der gekreuzigte Jesus an einem Baum, dem Baum des unsterblichen Lebens und er ist die Frucht des Baumes.

Jesus am Kreuz, der Buddha unter dem Baum - das sind dieselben Gestalten. Und die Cherubim an der Pforte - wer sind sie? In den buddhistischen Heiligtümern sieht man, dass der eine den Mund offen hat und der andere denselben geschlossen - Furcht und Begehren, ein Gegensatzpaar.

Wenn man zu einem solchen Garten kommt, und diese zwei Gestalten sind für einen wirklich und bedrohlich, wenn man also um sein Leben fürchtet, dann ist man immernoch außerhalb des Gartens. Aber wenn man nicht mehr an seiner Ichlichkeit hängt, dann wird man sich vor diesen Gestalten nicht fürchten und hindurchgehen.

Unsere eigene Furcht vor und unser Begehren nach dem, was für die Güter des Lebens halten, schließen uns aus dem Garten aus.

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