StartHelden & HeldenreiseHerakles, Auge & Telephos

Herakles, Auge & Telephos

Herakles und Auge - die Eltern des Helden Telephos
Herakles und Auge – die Eltern des Helden Telephos

Herakles spielt in dem Mythos von Auge eine schon wichtige, aber doch nicht die zentrale Rolle. Immerhin: Der berühmteste Held der griechischen Antike, Herakles, gilt als der Vater des ebenfalls heldenhaften mythischen Gründers von Pergamon mit Namen Telephos. Haupthelden des Mythos aber sind die Königstochter Auge und ihr Sohn Telephos.

Das Orakel für die Königstochter Auge

Auge ist der Name der Tochter des mythischen Königs Aleus, König der antiken griechischen Stadt Tegea in Arkadien und seiner Frau Neära. Wie nicht selten bei Kindern von Königen so war es auch in diesem Fall. Man befragte das Orakel, welches Schicksal dem Kinde, ob nun Tochter oder Sohn, wohl beschieden sein würde. Und das Orakel verkündete, dass der Sohn der Königstochter Auge dereinst seine beiden Onkel töten würde. Was denn auch geschah. Fragmente aus verschollenen Tragödien des Sophokles deuten auf einen Streit um die uneheliche Geburt von Telephos hin, der möglicherweise zu den Morden führte. Zunächst aber versuchte der König von Tegea dieses Schicksal doch noch abzuwenden.

Herakles und Auge

Die Königstochter Auge wurde nun also eine Priesterin der jungfräulichen Athene. Als Priesterin der Athene würde sie, so die Spielregeln in den Tempeln der Athene und insofern auch der Plan von Auges Eltern, das Mädchen zeitlebens jungfräulich bleiben. Möglicherweise, wenn man der Inschrift im Pergamonaltar folgen will, war die mythische Königstochter die Gründerin des Athenekultes in ihrer Heimatstadt Tegea.

Die Göttin Athene, vermerkt das Wörterbuch der Mythologie von Wilhelm Vollmers etwas suffisant, schützte ihre Priesterin nicht vor „der siegenden Gewalt des Hercules; dieser, von einem Feldzuge gegen die Söhne des Hippocoon zurückkehrend, verweilte bei Aleus und ließ Auge, als er weiter nach Calydon zog, schwanger zurück.“

Nach anderen Quellen verliebte sich Herakles in die wohl offenbar besonders schöne Priesterin der Athene, ohne dass sie sich darüber klar gewesen wäre, mit wem sie sich in ihren heiligen sexuell einließ. Doch auch in diesem Punkt berichten die einen Geschichten es so, andere dagegen wollen wissen (Redewendung diverser Mythologie-Wörterbücher aus Goethes aus dem 18. und 19. Jahrhundert), dass die Priesterin sehr wohl gewusst haben muss, wen sie da vor, bzw. in sich hatte.

Ihr Vater, der König Aleus, glaubt seiner Tochter jedenfalls wohl nicht, dass Herakles ihr Gewalt angetan haben sollte, was für Aule einem Todesurteil gleich kommt. Selbst Hand an seine Tochter legen will der König aber nicht, sondern übergibt das in seinen Augen geschändete Mädchen an einen Freund, damit dieser sie in’s Meer werfe und also ertränke.

Auge gründet den Athenakult - so die Inschrift unter dem Telephos-fries des Pergamonaltar.
Auge gründet den Athenakult – so die Inschrift unter dem Telephos-fries des Pergamonaltars.

Auge auf der Flucht

Das schöne Mädchen, schwanger zudem, obwohl nicht überliefert ist, ob ihr Leib schon gerundet war als sie sich auf die Flucht machte, erregte das Mitleid des Mannes, der sie ertränken sollte. Statt dessen brauchte er Aule nach Mysien, wo der König Teuthras regierte. Wie der König die junge Frau aufnahm, auch darüber erzählen die Geschichten nicht nur eine Variante. Eine Variante ist die, dass der König sie an Kindes Statt annahm. Eine andere Geschichte erzählt, dass er sie selbst zur Frau nahm.

Vorher aber noch, und auch darüber erzählen die einen dies, die anderen das, gebar Aule ihren Sohn Telephos und brachte ihn in Sicherheit in dem Hain der Athene, auf dem Berge Parthenius. Dort nun soll der kleine Telephos von einer Hirschkuh gesäugt und so von Hirten gefunden worden sein. Die Hirten waren es oder sollen es gewesen sein, die ihm den Namen Telephos gaben. Telephos soll im Griechischen einen Anklang an „Mutterbrust“ haben und an die ihn säugende Hirschkuh erinnern. Es gibt auch eine andere Deutung, nämlich die, dass Telephos so viel wie „der weithin Strahlende“ bedeutet. Telefon? – hm.

Telephos wurde jedenfalls durch den König des Landes an Sohnes statt angenommen und zu einem Helden ausgebildet, wie es heißt.

Telephos findet seine Mutter Auge dank eines Orakel

Erwachsen dann reist der junge Held nach Mysien. Genau dies hatte ihm das delphische Orakel auf seine Frage nach seiner Mutter zu gehen geraten hatte. Offenbar weiß er da schon, dass er der Sohn von Herakles ist.

Der König Teuthras befand sich gerade in einen Krieg und war nahe daran, sein Reich zu verlieren. Telephos erschien mit seinen Begleitern dem Teuthras eine willkommene Hilfe. Er versprach dem Fremden sogar die Hand seiner geliebten Aule samt seinem Königreich.

Der junge Mann, Telephos, siegte und Aule, seine Mutter sollte nun seine Frau werden. Auge aber weigerte sich, den Fremden zum Manne zu nehmen. Ob sie ihn als ihren Sohn erkannte oder er ihr nur zu jung war, darin sind sich die Quellen nicht einig. Sie drohte sogar in der Hochzeitnacht, ihn zu ermorden. Doch die Götter schickten einen Drachen, eine geflügelte Schlange, welche sich zwischen die Kämpfenden drängte.

Auge erschreckte sich so sehr über den Drachen oder die Schlange, dass sie ihr Schwert fallen ließ. Das Schwert aber ergriff nun Telephos, um jene, die ihn töten wollte, zu töten. Und nun kommt endlich wieder Herakles ins Spiel. Auge rief ihn, Herakles, um Hilfe an. So erst entdeckte Telephos, dass seine Braut seine Mutter sein musste.

Bildquellen:
©

Von Daznaempoveche – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30717777 / Von Picture taken by Marcus Cyron – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1541970


Literaturquellen:

Benjamin Hederich: Gründliches mythologisches Wörterbuch, 1770
Wilhelm Vollmers: Wörterbuch der Mythologie, 1836

Kommentieren Sie den Artikel

Bitte geben Sie Ihren Kommentar ein!
Bitte geben Sie hier Ihren Namen ein

Neueste Artikel

Aktualisierte Artikel