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Telephos & der Pergamonaltar

Telephos in Argos. Der Telephosfries im Pergamon Altar.
Telephos in Argos. Der Telephosfries im Pergamon Altar.

Telephos, im griechischen Τήλεφος, gilt als ein mythischer König der griechischen Stadt Mysien, sein Leben wird im eigens nach ihm benannten Telephosfries im Pergamonaltar ausführlich dargestellt. Es wird eine lange Heldenreise werden, die Telephos nach Mysien, Argos und schließlich als Bettler durch griechische Lande führen wird.

Seine Mutter Auge war eine Königstochter und Priesterin der Göttin Athene. Der Vater des Helden war Herakles, allerdings nur sein leiblicher Vater. Erzogen wurde Telephos von dem König des Landes. Es war das Land, in dem seine Mutter auf der Reise zu dem Ort, an dem sie ertränkt werden sollte, ihren neu geborenen Sohn in Sicherheit gebracht hatte. Später aber begegneten sich Mutter und Sohn auf seltsame Weise wieder. Ein ziemlich dramatischer Beginn eines langen Heldenlebens, könnte man sagen oder nicht?

Telephos – das Fries im Pergamonaltar

Das Leben des Telephos von seiner Geburt in Tagea bis zu seinem Status als König in Mysien und schließlich als Bettler durch die Lande ziehend hat einige überraschende Wendungen genommen. Fast immer hatten die Götter mit diesen Wendungen zu tun. Der nach dem Helden benannte Telephosfries im Pergamonaltar in Berlin erzählt der Reihe nach von seinem Leben. Beginnend mit seiner Geburt werden alle wichtigen Stationen seines Lebens dargestellt. Auch seine Mutter Auge kommt in dem späteren Zusammentreffen mit seiner Mutter, ersten Mal in der griechischen Plastik eine derartige kontinuierende Erzählweise erhalten.

Telephos – Sohn der Auge und des Helden Herakles

Auges Vater, der König Aleos, hatte durch das Orakel von Delphi erfahren, dass ein Sohn der Auge die eigenen Onkel, Auges Brüder, töten würde. Nun wollte er seine Tochter deshalb nicht töten, aber er wollte dafür sorgen, dass sie Jungfrau blieb. Die Idee, auf die er kam, war dass er sie zu einer Priesterin der Athene weihen ließ. Soweit der Plan, auf ging er allerdings nicht, denn König Aleos hatte die Schönheit seiner Tochter unterschätzt.

Herakles, der viel besungene Held der Griechen jedenfalls, verliebte sich in die schöne Auge. Ob Auge sich auch in Herakles verliebt hatte oder er ihr Gewalt antat, ist nicht überliefert. Da Auge den Herakles Jahre später in höchster Not zu Hilfe rief, könnte es sein, dass sie sich ihm freiwillig hingab. So oder so – Auge wurde schwanger, was für eine Priesterin der Athene bei Strafe verboten war. Auge musste also das Kind in ihrem Leib geheim halten und im Geheimen gebären.

Herakles mit seinem noch sehr kleinen Sohn Telephos auf dem Arm und der Hirschkuh, die Telephos nährte.
Herakles mit seinem noch sehr kleinen Sohn Telephos auf dem Arm und der Hirschkuh, die Telephos nährte.

Der kleine Sohn des Herakles

Lange konnte Auge ihr Geheimnis nicht verbergen, denn es war ein Frevel, wie es hieß, dass eine Priesterin der Athene ein Kind in den Tempeln der Göttin verbarg. Die Götter sorgten, wieder per Orakel, dafür, dass der kleine Telephos entdeckt wurde. Auges Leben stand damit auf Messers Schneide, denn ihr Vater wollte sie ertränken lassen.

Und auch das Kind wurde fortgebracht in die Wildnis, ein Gottesurteil, allein und schutzlos in einem Gebirge ausgesetzt. Es fand sich aber eine Hirschkuh, die den Jungen säugte, sodass er überlebte. Auf seinem Fries im Berliner Pergamonmuseum wird Telephos nicht von einer Hirschkuh, sondern von einer Löwin gesäugt. Eine Erklärung dafür habe ich nicht, außer der vielleicht, dass eine Löwin besser zu Herakles passt. Die Statue im Louvre dagegen zeigt Herakles und Telephos mit einer Hirschkuh. Passt auch, Löwin ist also keine Begründung. Wie Herakles dazu kam, seinen Sohn als solchen zu erkennen, darüber hab ich keine Quellen gefunden bislang.

Der kleine Sohn des Herakles wuchs aber weder bei Vater noch Mutter aus, sondern kam schließlich zu König Korythos, der ihn an Sohnes statt aufnahm.

Telephos wird König von Mysien

Bei König Teuthras von Mysien fand der noch immer sehr junge, aber inzwischen erwachsene Held seine Mutter, die dort als Frau oder als Tochter der Königs bei Hofe lebte. Doch weder er selbst noch sonst jemand war klar, dass er in Auge seine lang gesuchte Mutter endlich gefunden haben könnte. Doch nachdem der junge Held Mysien erfolgreich gegen ihre Feinde verteidigt hatte, gab Teuthras ihm Auge zur Frau und machte ihn zu seinem Nachfolger. Die „Hochzeitsnacht“ wurde ein Kampf auf Leben und Tod zwischen Auge und ihrem Sohn. In höchster Not rief Auge dann Herakles an, wodurch die Verwirrung doch noch ein gutes Ende hatte. Telephos heiratete eine (andere) Tochter des Teuthras und wurde nach dessen Tod König von Mysien.

Die Griechen auf dem Weg nach Troja greifen Mysien an

Als auf dem Zuge gegen Troja die Hellenen die Stadt, in der Telephos nun König war, Mysien angriffen, zog sich Telephos eine Wunde zu, die ihm sehr zu schaffen machte und lange nicht heilen sollte. Achill hatte sie ihm beigebracht. Und obwohl Achill wie überhaupt die Griechen alles versuchten, die Wunde des Telephos zu heilen, gelang es ihnen nicht. Untröstlich bereuten sie ihren Angriff, als sie erkannten, wessen Stadt sie angegriffen hatten. Doch die Toten auf beiden Seiten an diesem einen Tag des sinnlosen Kampfes konnte nichts und niemand wieder zum Leben wecken. Ähnliches galt für den verletzten Oberschenkel des Helden Telephos.

Und es stellte sich nun heraus, dass der König von Mysien in zweiter Ehe mit einer Tochter des Priamos verheiratet war, sodass sein Sohn der Enkel des Königs von Troja war, gegen den die Griechen in den Krieg zogen. Der König von Mysien entschied deshalb, sich nicht am Krieg gegen Troja zu beteiligen.

Die griechischen Helden Telephos, Achill und Odysseus

Da nun aber die Wunde am Oberschenkel des Königs nicht heilte, befragte man wieder das Orakel. Und das Orakel verkündete, dass die Wunde nur derjenige heilen könne, der sie geschlagen habe. Dem Orakel folgend wandte sich Telephos nach Argos, um dort Achill aufzusuchen. Einige Quellen erzählen, dass er sich in Gestalt eines Bettlers nach Argos begab. Achill, der berühmteste Held der Griechen, hielt sich, immer noch auf dem Weg nach Troja, in Agamemnons Palast auf.

Der Held Telephos nimmt den Säugling Orest aus der Wiege und in seine Gewalt um Heilung für seine nicht heilen wollende Wunde von Achill zu erzwingen.
Der Held Telephos nimmt den Säugling Orest aus der Wiege und in seine Gewalt, um Heilung für seine nicht heilen wollende Wunde von Achill zu erzwingen.

Auf Rat der Gattin des Agamemnon, Klytämnestra, so eine weitere Version, bedrohte der noch immer verwundete König von Mysien den kleinen Sohn Orest, des Königs von Argos mit dem Tod. Orest, der später, nach dem Krieg gegen Troja, seine Mutter Klytämnestra ermorden wird, war zu dieser Zeit noch ein Säugling.

Geholfen hatte dem Helden diese martialische Methode nicht. Achill konnte ihm nicht helfen, da er, so Achill, sich mit dem Heilen von Wunden nicht auskannte. Nachdem Achill nicht helfen konnte, verfiel der listenreiche Odysseus auf eine für Telephos und den kleinen Orest rettende Idee: Das Orakel, so Odysseus, könnte auch so gemeint sein, dass nicht Achill, sondern dessen Speer der Verursacher der Wunde sei. Daher könnte es sein, dass eben der Speer nur die Wunde heilen könne. So legte man, einige Quellen sagen Achill selbst, abgeschabten Rost der Lanze des Achill in die Wunde des Königs von Mysien. Und siehe da – endlich heilte die Wunde.

Das Kraut des Achill

Nach einer anderen Version war es keineswegs so, dass Achill keine Erfahrung mit dem Heilen von Wunden hatte. Ganz im Gegenteil, Achill soll es gewesen sein, der seine Gefährten im Trojakrieg immer wieder zu heilen wusste. Daher, so berichtet es zumindest das Wörterbuch von Hederich, konnte Achill die Wunde des Telephos mit einer Pflanze heilen. Diese Pflanze könnte die Schafgarbe sein, welche den Namen Achillea millefolium trägt.

Telephos zeigt den Griechen den Weg nach Troja

Und hier die dritte und letzte Erzählversion, wie es zu kam, dass Achill die Wunde des Königs von Mysien heilte: Nachdem der König in Lumpen an den Hof von Achill gekommen war, entdeckte man bald, dass es sich um Telephos, einen gebürtigen Griechen handelte. Telephos stimmte zu, die griechische Armee nach Troja zu führen, als Gegenleistung dafür, dass Achilles seine Wunde heilte.

Bildquellen:
©

https://de.wikipedia.org/wiki/Pergamonaltar / Von Picture taken by Marcus Cyron – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1542686 /

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Literaturquellen:

Benjamin Hederich: Gründliches mythologisches Wörterbuch, 1770 / https://www.sagen.at/texte/sagen/sagen_klassisches_altertum/gustav_schwab/teil_2/diegriecheninmysien.html /
Telephos – https://de.abcdef.wiki/wiki/Telephus

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