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Aeneas-Sage / Aineis: Irrfahrt, Karthago und Latium

Aeneas-Sage. Der Held wird vom König Latinus empfangen.
Aeneas-Sage. Der Held wird vom König Latinus empfangen.

Die Aeneas-Sage, meist Aineis genannt, erzählt von dem Helden Aeneas und seinem Gefolge, den Penaten. Sie sollten eine lange beschwerliche Irrfahrt vor sich haben bis sie endlich am Tiber das neue Troja gründeten. Es wurde unter dem Namen Rom bekannt, sodass der Held auch als Stammvater der Römer angesehen wird. 

Der Grund für diese lange Irrfahrt war nicht so sehr Sturm und Wetter geschuldet. Obwohl Aeneas einige Male seinen Kurs – den Stürmen des Poseidon geschuldet – ändern musste. Der Hauptgrund war ein anderer: 

Aeneas hatte keine klare Orientierung, an welchem Ort er die neue Stadt gründen sollte.
Er wartete auf Zeichen der Götter. Damit ging er einige Male in die Irre. Denn Hera / Juno tat ihr Äußerstes, um Aeneas davon abzuhalten, Rom zu gründen.

Aphrodite / Venus andererseits, seine Mutter, half ihrem Sohn mit all ihrer Macht. Schließlich fand Aeneas den gesuchten Ort und erkämpfte sich die Königsherrschaft.

Die elf Stationen von Aeneas Irrfahrt
Die elf Stationen von Aeneas Irrfahrt

Die elf Stationen der Aeneas-Sage, bis der Held an die Mündung des Tiber gelangt: 

  1. Das zerstörte Troja
  2. Das nördliche Thrakien
  3. Die heilige Insel Delos – die Stätte des Apollon-Orakel
  4. Kreta, die Heimat des Zeus
  5. Das westgriechische Epeiros
  6. Der Vulkan Ätna
  7. Drepanos auf Sizilien
  8. Das blühende Karthago
  9. Die neu gegründete Stadt Segesta
  10. Cumai (Neapel) auf dem Festland in Latium
  11. An der Mündung des Tiber – Ort des zu gründenden Rom

1. Kapitel der Aeneas-Sage: Der Sohn des Anchises im zerstörten Troja

Der Hauptheld der Aeneas-Sage kämpft auf der Seite der Trojer, obwohl er nicht zu den zahlreichen Söhnen des Königs von Troja gehört, deren berühmteste wohl Hektor und Paris sind. Während laut Odyssee alle Bewohner von Troja von den Griechen getötet wurden, berichtet die Aeneas-Sage, dass einige wenige Menschen überlebten. Rechtzeitig noch können sie die brennende Stadt verlassen. Mit dem Auftrag im Gepäck, den Ort für ein „neues Troja“ zu finden.

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2. In Thrakien – ein Unglück verheißendes Omen

Aeneas macht sich, entkommen aus der brennenden Stadt Troja daran, mit seinen Truppen eine Flotte von zwanzig Schiffen zu bauen. Sein Vater Anchises und sein Sohn sind bei ihm.

Der Auftrag, eine neue Stadt – im Stile von Troja – zu bauen treibt ihn an. Auf geht es nach Thrakien. In Thrakien will Aeneas die Stadt Aeneade gründen. Doch das ließ er lieber bleiben, denn ein Unglück verheißendes Omen warnte ihn: Aeneas brach Myrtenzweige, für den Altar einer Opferung an Aphrodite und Zeus.

Die Myrtenzweige begannen zu bluten. So entdeckte Aeneas, dass er sich am Grab des jüngsten Prinzen von Troja befand. Die Thraker hatten ihn getötet als er zu ihnen als Gesandter kam. Zurückgeschreckt von blutigem Omen, lässt er wieder die Segel hissen und sucht weiter nach einem Ort, an dem er und die Überlebenden des zerstörten Troja die Stadt neu errichten können. 


3. Delos, das Heiligtum des Apollon – Irrtum beim Deuten des Orakel

Nach Süden fahrend kam Aeneas mit seinem Gefolge auf der Insel Delos an. Durch ihr Apollon Orakel ist diese Insel berühmt. Hier wurden Apollon und seine Zwillingsschwester Artemis geboren. Ihnen zu Ehren wurde Delos der wichtigste Orakel Ort in ganz Griechenland.

Der Herrscher der Insel führt Aeneas zum Apollon Orakel. Aeneas will wissen, welcher Ort des Ziel seiner Reise sein soll. Apollon gibt ihm eine rätselhafte Antwort: Die alte Mutter solle er suchen. Dort würde Aeneas ein neues Geschlecht gründen.

Anchises, der greise Vater des Aineas war sich sicher, dass mit diesem Orakel nur die Insel Kreta gemeint sein konnte. Rhea hatte dort ihren jüngsten Spross, Zeus geboren.


4. Auf Kreta, der Insel des Zeus – der gescheiterte Stadtbau

Auf zur Insel Kreta – weit in den Süden. Dort errichteten die Trojer eine Mauer um die Stadt, die sie für das Ziel ihrer Irrfahrten und für ihre neue Heimat hielten. Der Name der neuen Stadt lautete denn auch „Pergamon“ – genauso wie die Burg des nun zerstörten Troja. Die Trojer bestellten die Äcker, bauten Häuser und waren froh, sich endlich in einem fruchtbaren Land niederzulassen. Das Schicksal hatte es aber anders bestimmt. Eine Pestepidemie zerstörte alles, was sie mühsam gebaut hatten.

Laut der Aeneas-Sage sagten die Penaten dem Helden im Traum schließlich, dass Kreta nicht der vom Orakel bezeichnete Ort sei. Das vorbestimmte Ziel sei vielmehr das fruchtbare Italien, weil Dardanos von dort nach Phrygien kam, Troja erbaute und zum Stammvater des troischen Königsgeschlechts wurde. Anchises, der Vater des Helden, konnte sich an die alten Geschichten erinnern und bestätigte die Prophezeiung.


5. An der griechisch-westlichen Küste – bei alten Freunden. 

Helenos und Andromache, die Witwe Hektors, empfangen den Anführer der überlebenden Trojer auf dem westgriechischen Festland. Er wird mit allen Ehren in der Stadt aufgenommen, die nach dem Fall von Troja nach deren Vorbild gegründet worden war. 

Der Weissager Helenos soll über die Gefahren berichten, denen die Trojer noch ausgesetzt sein würden. Dieser aber, Helenos, gesteht, dass er das Geheimnis nicht offenbaren kann, weil Hera es ihm verboten hätte. Allerdings gibt er den umherirrenden Trojern nützliche Ratschläge mit auf den Weg.


6. An den Hängen des Ätna

Das nächste Kapitel der Aeneas-Sage ist ein Vulkan, der Ort an dem die Kyklopen wohnen. Odysseus hatte sich vor nicht allzu langer Zeit hier aufgehalten und die Trojer trafen auf der Insel einen seiner Gefährten, Achemenides aus Ithaka. Er erzählte ihnen seine Abenteuer seitdem er von Odysseus hier zurückgelassen wurde, und berichtete von der tragischen Begegnung der Griechen mit Polyphemos. Als der blinde Kyklop mit seiner Herde, sich auf einen Kieferstamm stützend, auf dem Berg erschien und zum Strand hinabstieg, machten die Trojer sich schnell wieder auf die Reise und retteten Achemenides.


7. Der Vater des Helden, Anchises, stirbt

Die Schiffe der Trojer fuhren die Insel Ortygia – heute Sizilien – entlang- bis zur südlichsten Spitze von Sizilien. Hier starb der alte Anchises nach sieben Jahren beschwerlicher Irrfahrten. Weder die Führerin der Harpyien, Kelaino, noch der Seher Helenos hatten seinen Tod vorausgesehen.


8. Aeneas bei Dido in Karthago

In Karthago bei der Königin Dido bleibt der Held ein ganzes Jahr, ehe ihn Hermes im Auftrag von Zeus zur Weiterfahrt mahnt.
Einzelheiten zur Geschichte von Dido und Aeneas


9. Der Held gründet die Stadt Segesta

Ein plötzlicher Sturm zwang die Flotte der überlebenden Trojer noch einmal in Sizilien anzulegen. Aufwendige Leichenspiele zu Ehren von Anchises wurden veranstaltet. Die Trojer verlieren vier Schiffe, als die des Reisens müden Frauen aus Troja Schiffe der Flotte verbrannten. Für die Gefährten, die in Sizilien bleiben wollten, wird deshalb an diesem Ort die Stadt Segesta gegründet.


10. Aeneas in der Unterwelt – Cumai (Neapel)

Endlich in Latium – Cumai – treffen Aeneas und seine Mannen auf einen prachtvollen Tempel des Apollon. Dort fragt Aeneas die Apollon-Priesterin Sibylle um Rat. Auf die Frage des noch immer orientierungslosen Aeneas kündigt die Sibylle Aenaes bittere Kriege an, bevor er endlich seine Aufgabe erfüllen werde.

Vor seiner Weiterfahrt steigt Aeneas – unter Führung der Apollopriesterin Sibylle – in die Unterwelt hinab. Aeneas erfährt dort durch seinem Vater Anchises von der Größe des Königreichs Roms, das er gründen wird. Dank eines magischen Mistelzweiges kann er wieder in die Welt der Lebenden zurückkehren. Nun endlich! weiß Aeneas, was seine Aufgabe ist und was er zu tun hat.


11. An der Tibermündung

Die Reise führt den Helden und seine Gefährten weiter in Richtung Norden – bis zur Tibermündung. Der Sohn des Aeneas entdeckt dort, wo der Tiber ins Meer fließt, ein Zeichen, aus dem er erkennt, dass er endlich am dem gesuchten Ort angekommen ist. Ein Donner des Zeus lässt die Vermutung zur Gewissheit werden.

Er bittet sogleich den hier herrschenden König – Latinus – um Siedlungsland. Latinus nimmt die Aeneaden gastfreundlich auf. Denn ein Orakel hatte König Latinus einen Fremden als den Gemahl seiner Tochter Lavinia vorausgesagt. So bietet Latinus dem Helden auch gleich die Hand seiner Tochter Lavinia an.

Was nun folgt, ist der von Sibylle vorausgesagte, langanhaltende bittere Krieg. Denn Hera / Juno hat sich noch keineswegs geschlagen gegeben.

Mehr über den Krieg zwischen dem Helden und den Verbündeten der Juno findest du hier – bei der Inhaltsangabe der Aineis.


 Alle Seiten über die Aeneas-Sage auf „Die Götter auf Reisen“

Bildquellen:

© Ferdinand Bol – www.rijksmuseum.nl : Home : Info, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3934474

10 KOMMENTARE

  1. Das ist sehr spannend👍 die Geschichten von Aeneas🤗 Er ist überhaupt nicht dumm, wer das gesagt hat, ist selber dumm😏😌

  2. Bedeutung der insel kreta
    Hallo ihr Lieben,

    ich halte eine GFS über Buch 3 und hab dabei 3 Fragen die ganz dringend beantwortet werden müssten:

    1) wie kommt es denn überhaupt zur Fehlinterpretation des Anchises ?
    2) was ist die Bedeutung der Insel Kreta ?
    3) wäre nett,wenn ihr mir bei dieser Leitfrage auf die Sprünge helfen würdet,denn ich selbst hatte ursprünglich eine andere geplant:
    – Der irrende Aeneas- Enthüllung des vergessenen fatums ?

    Es ist wirklich sehr dringend.Ich freue mich über jede konkrete,ausführliche und nachvollziehbare Antwort,denn ich finde im Internet einfach nicht genug zu diesen 3 Fragen.

    • Aeneas in der Unterwelt

      war er. War er. Allerdings.

      Ich hab die Seite stehenden Fußes vervollständigt.

      Dank dir, Hermes-Fan, da hatte noch einiges an Details gefehlt.

      Angel

      **************

      Spielen ist das ganze Geheimnis.

      • Okay.

        Kein Ursache. 🙂 Ich helfe immer wieder gern. Was hatter Hera eigentlich gegen Äneas? War das nur, weil er Trojaner war?

      • Aeneas – nur weil er Trojaner ist?

        Nur ist gut. Aeneas "ist ja nicht nur" Trojaner, sondern sorgt auch dafür, dass das Geschlecht der Trojaner nicht nur nicht ausstirbt, sondern stärker als das der Griechen werden sollte.

        Zudem war Karthago wohl die Lieblingsstadt der Hera. Und das werdende Rom der tödliche Feind und Untergang für Karthago.

        Angel

        **************

        Spielen ist das ganze Geheimnis.

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