Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Gibt es ein Leben nach dem Tod? Ja! oder Nein? Oder vielleicht? Oder müssen wir noch anders fragen?

Fakt ist, dass der Umgang mit dem Tod von Kultur zu Kultur sehr verschieden ist. Und der Tod die Menschheit schon immer intensiv beschäftigt hat. 

Atheisten finden sich mit dem Tod als dem Ende ihrer Existenz, oft schweren Herzens, ab. Selbst wenn sie sich klar machen, dass dies Ausgelöscht-werden bedeuten würde. An Gott und Seelen und Weiterleben einfach so glauben, wollen oder können sie nicht.

In vielen heute noch praktizierten Religionen wird das Leben nach dem Tod als Ort der Erlösung ersehnt. Deshalb ist der Tod ein besonderer Moment im Leben und wird als heilig verehrt.

In alten Kulturen entwickelte sich sogar eine Kultur, die das Leben als Vorbereitung auf das Leben nach dem Tod ansah. Im alten Ägypten mit seinem Totenbuch und Totengericht, Einbalsamierungen und Pyramiden war das Leben nach dem Tod sogar der Dreh- und Angelpunkt der ganzen Kultur. 

Wie kann ein Mensch sich mit dem Tod auseinander setzen? So gerade und ehrlich wie im Alten Ägypten blicken Menschen dem Tod heute nicht in die Augen? Doch einfach das Beste hoffen oder ein todesgläubiger Atheist werden? 

Zwischen Hoffnung und Angst

Was den Tod und vor allem ein mögliches Leben nach dem Tod betrifft, gehen die Überzeugungen extrem weit auseinander. Kein Wunder. Man weiß es nicht aus eigener Erfahrung. Zunächst und zumeist hat ein Mensch, der über den Tod spricht, seinen eigenen Tod noch vor sich. 

Und diese Ungewissheit betrifft nicht irgendwas, Fernsehprogramm, Wetter oder ähnliches, sondern die eigene Existenz. Ausgelöscht werden? Gerettet werden? Von wem? Kann ich irgendwas tun? Eine Ungewissheit, die unerträglich werden kann, Angst erzeugen kann. Und mit dieser Angst, meist latenter, mitunter akuter Todesangst, muss ein Mensch irgendwie umgehen, um leben zu können. Aber wie?  

Gibt es ein Leben nach dem Tod? In Indien sieht man das anders als in DeutschlandManche Menschen kennen so etwas wie Nahtoderfahrung, Gotteserfahrung bzw. Transzendenzerfahrung. Ich zum Beispiel auch, sonst würde ich darüber schweigen.

Solche Erfahrungen sind für den der sie macht überwältigend, für viele überwältigend erhaben, ja erlösend, für andere beängstigend. In jedem Fall verändern sein Leben, oft von einem Tag auf den anderen, radikal.

Aber es ist schwer, sie mit jemandem zu teilen, der Erfahrungen dieser Art nicht kennt. Und es ist unmöglich mit jemandem, der sie für ein Hirngespinst oder für durch Drogen hervorgerufene Halluzination hält.

Und so ändern solche von Lebenden schon gemachten Erfahrungen wenig daran, dass die meisten Menschen über ihr Leben oder ihren endgültigen Tod nach ihrem Tod auf Hoffnung, Angst, Gleichgültigkeit, aber immer bloße Vermutung angewiesen sind.

Den Tod betrauern oder ihn feiern

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Im Alten Ägypten entschied darüber das eigene Herz.Stirbt ein geliebter Mensch unseres engsten Familien- oder Freundeskreises, ist der Schmerz über den Verlust oft so groß, dass man ihn kaum ertragen kann und will.

Tod bringt hierzulande meist viel Trauer und viele Tränen mit sich. In dieser oft schweren Zeit für die Hinterbliebenen ist es für viele eine Art Anker zum Festhalten, wenn sie einer Glaubensrichtung oder auch Religion Glauben schenken können und darin Trost finden.

In Deutschland ist die Beisetzung der Verstorbenen auf Friedhöfen üblich, bei denen mit vielen Blumen und auch liebevollen Beileidsbekundungen die Anteilnahme an der Trauer bekundet wird.

Je nach Persönlichkeit, Kultur und Religion verstehen Menschen den Tod sehr verschieden. Ein tiefe Veränderung für das eigene Leben ist aber mit dem Tod von nahen Menschen fast immer verbunden. Und das bedeutet Abschied und intensive Gefühle, die ausgedrückt werden müssen, will man nicht ersticken an ihnen.

Manche Kulturen feiern den Tod eines geliebten Menschens innerhalb der Familie und lassen dies ganz bewusst durch rauschende Feste und lautes Getöse sichtbar und hörbar verlauten. Auch Trauer kann sehr laut und sichtbar ausgedrückt werden und das hat durchaus seinen (reinigenden, verbindenden) Sinn. Andere wiederum verabschieden sich auf leise Art in absoluter Stille und im Einklang mit dem Verstorbenen.

Gibt es ein Leben nach dem Tod oder nicht?

Gibt es ein Leben nach dem Tod? Ja oder nein oder vielleicht irgendwann?Gibt es ein Leben nach dem Tod? Mögliche Antworten auf diese Frage hängen eng damit zusammen, an was für einen Gott oder Götter in dieser Kultur geglaubt wird. Oder eben nicht geglaubt wird.

In vielen asiatischen Religionen glaubt man, dass der Körper eines Menschen geliehen ist, um in jeder Inkarnation zu lernen, wie er sich von der täuschenden Illusion des irdischen Lebens endgültig befreien kann. Letztendliches Ziel all dieser Inkarnationen ist es, sich schließlich im Nirvana in Nichts aufzulösen.

Doch bis dahin ist es ein weiter leidvoller Weg. Denn: Alles Leben ist Leid - zumindest für den gläubigen Buddhisten.

Wenn ein Buddhist oder ein Hindi stirbt, dann wird er sehr bald als ein anderes Lebewesen neu inkarnieren. Die große Furcht ist, dass das nächste Leben ein Abstieg sein wird.

Zum Beispiel könnte ein Mensch, so er die Lektion seines gegenwärtigen Lebens nicht gelernt hat, als ein Schwein leben müssen beim nächsten Mal. Die große Hoffnung ist es, aufzusteigen, dem bloß täuschend Irdischen weniger verhaftet zu sein und damit dem großen Ziel Nirvana näher zu kommen.

Im islamischen Glauben und im Christentum glaubt man nicht an ein Rad von Inkarnationen, sondern an ein glückseliges Leben nach dem Tod oder an die - vielleicht sogar ewige - Hölle. Doch am Ende aller Tage steht so etwas wie eine Wiederauferstehung aller Seelen.

Ob dann ein Paradies für alle winkt? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Die Beschreibung der Auferstehung aller Seelen fällt je nach Glaubensrichtung, auch innerhalb der großen Kirchen im Christentum, ziemlich unterschiedlich aus. 

Leben nach dem Tod? - Bestattungsrituale

Für viele Familien hierzulande ist ein plötzlicher Tod ein großer Verlust und meist stehen sie vor einem Scherbenhaufen und Chaos zugleich. Die Trostlosigkeit ist oft umso größer, je eindeutiger ein Leben nach dem Tod als Unsinn abgelehnt wird. Fragen über ein Leben nach dem Tod, vor welchen Aufgaben der Verstorbene nun stehen mag, stellen sie sich eher nicht.

Statt dessen fragt man sich in seiner Not eher Praktisches wie: Was muss ich jetzt tun, um die Beerdigung zu regeln? Wen lade ich zur Beerdigung ein? Wo sind welche Papiere? Wie ist das mit dem Testament? Gibt es überhaupt eins? Was kostet der Sarg? Dann ist sicher ein Ratgeber wie man Schritt für Schritt vorgehen muss, nicht verkehrt und bringt ein wenig Licht ins dunkle Loch. Doch gibt es auch ganz andere Bestattungsrituale.

Bestattungsrituale in anderen Gegenden der Erde

Im Hinduismus gibt es zum Beispiel folgende Besonderheit: Nach dem Tod wird die Leiche verbrannt und ihre Asche am vierten Tag schließlich in einen heiligen Fluss - zum Beispiel dem Ganges - gestreut. Denn: Die Wiedergeburt verlangt die völlige Vernichtung der körperlichen Hüllen. Nur so wird die Seele des Toten für das nächste Leben frei. Steht kein Brennholz zur Verfügung, wir der Leichnam dem Wasser übergeben, sodass er möglichst schnell verwesen kann.

Im islamischen Glauben soll der Tote, der zuvor gebadet und gewaschen und in ein Leinentuch eingehüllt wurde, noch am gleichen Tag bestattet werden. Das Grab ist Mekka zugewandt. Das Verbrennen ist nicht erlaubt und in den ersten drei Tagen wird die hinterbliebene Familie von Verwandten umsorgt.

Der Glaube verlangt, dass 40 Tage lang nach dem Tod die Angehörigen Trauerkleidung tragen. Die Trauerzeit wird durch ein Essen, den Besuch des Grabes und dem Verteilen von Spenden beendet. Nach einem Jahr nach dem Tod wird das Ritual noch einmal wiederholt.

In einigen stark naturverbundenen Völkern werden noch heute wie vor tausenden Jahren rituelle Verbrennungen der Verstorbenen zelebriert.

In einzelnen abgelegenen Gegenden der Erde ist sogar noch heute das Verspeisen der Angehörigen nach deren Tod üblich. Das mag für uns Mitteleuropäer unwirklich und abstoßend klingen. Doch haben neuere Forschungen ergeben, dass dieses Ritual, seine Toten zu ehren in sehr vielen Urvölkern gebräuchlich war. Und zwar unabhängig voneinander.

Das rituelle Verspeisen des Toten scheint also eine höchst selbstverständliche Antwort auf die Frage, ob es ein Leben nach dem Tod gibt, zu sein: Angehörige und Freunde des Verstorbenen sind zutiefst davon überzeugt, dass sie ihm auf diese Weise besonders nah sind und er für immer bei ihnen sein wird.

Der Mensch ist das einzige Tier, das von seinem Tod weiß

Wie es nach dem Tod weiter geht, und ob es überhaupt weiter geht, beschäftigt die Menschen schon so lange sie Menschen sind. Oder anders gesagt: Tiere haben dieses Problem nicht. Denn um über Leben und Tod nachdenken zu können, braucht man Sprache. Ohne Sprache kein Denken, weder kreatives Reflektieren noch qualvolles Grübeln.

Was also sagen Menschen zu einem Leben nach dem Tod? Wie verwenden sie ihre Sprach-Fähigkeit für etwas, von dem sie (meist) nichts wissen können?

"Ja" sagen sie, natürlich gibt es ein Leben nach dem Tod.

Als Begründung für dieses "Ja!" spielen in aller Regel religiöse Überzeugungen eine Rolle. Der Glaube an eine bestimmte Gottheit bewirkt, dass der Tod nicht als ein schreckliches unbarmherziges Ereignis angesehen wird und erst recht nicht als das Ende aller Dinge. Im Gegenteil. Das Leben nach dem Tod gilt in vielen Kulturen als selbstverständlich. Mit viel Hingabe bitten und beten die Gläubigen, dass es Seligkeit und nicht Verdammnis sein  möge. In den meisten Religionen glauben die Menschen, dass nicht sie selbst, sondern nur eine mächtige Instanz wie etwa Gott über ihr Weiterleben nach dem Tod entscheidet. Gläubige gehen von dem Axiom aus, an das sie glauben: Eine allmächtige Instanz.

"Nein" sagen sie, natürlich gibt es kein Leben nach dem Tod.

Dies wird in aller Regel aufgeklärt, wissenschaftlich begründet. Atheisten glauben an keinen Gott, sondern an Wissenschaft. Atheisten halten Gott, Götter und Spiritualität für Wunschdenken, für Kinderglauben, Opium für´s Volk, Trost für die Elenden: Wo sollte Gott sich aufhalten? Wer hat ihn wo und wie genau gesehen? Kann zweifelsfrei bewiesen werden, dass es ihn gibt? Wiederholbar, messbar, sinnlich wahrnehmbar? Atheisten gehen von dem Axiom aus, das sie für bewiesen halten: Das Primat der Materie.

"Sowohl als auch" sagen sie, irgendwie wird es nach dem Tod sicherlich weitergehen.

Glauben ist für mich nicht das Richtige, aber das pure Rechnen und Beweisen der Wissenschaft auch nicht. Es gibt viel zu viele Dinge, Träume, Erfahrungen, die sich weder mit Glauben noch mit beweisbarer Wahrheit verstehen lassen. Tiefer Schmerz und unbeschreibliche Freude zum Beispiel, bei der es gar nicht um "glauben" oder "beweisen" geht, sondern um mich, meine meine Existenz, die Frage, wer und wie und wozu ich bin.

Wie es nach dem Tode weiter geht, kann ich nicht wissen, da niemand es weiß. Aber mein Gefühl sagt mir, dass ich auf irgend eine Weise weiterhin leben werde. Nicht als der Mensch, der ich jetzt bin, sicherlich. Vielleicht überhaupt nicht als Mensch. Aber dass ich in den Kreislauf der Natur eingehen werde, das denke ich auf jeden Fall.

Meine Gedanken, Gefühle und Taten - und wenn nur indirekt - werden weiter wirken. Zumindest als Energie, Erinnerung, Inspiration lebe ich in meinen Werken, in meinen Kindern und Enkeln weiter. Gläubige Atheisten hoffen auf irgendwas Gutes, Sinnvolles, das es geben muss.

"Weder noch" sagen Menschen wie ich, denn die Frage selbst ist falsch gestellt.

Geben tut es (persönliches) Leben nach oder auch vor dem Tod nicht. Man tut es oder lässt es. Oder vertagt die Entscheidung, aber auch dann tut man etwas. Oder eben nicht. Als modernen Vater dieser Antwort sehe ich den Mathematiker, Physiker und Philosophen A.N. Whitehead an. Whitehead entdeckte im Laufe seines Lebens vor ca hundert Jahren, dass die Welt nicht aus kleinsten Bausteinen, sondern aus Prozessen bzw. Ereignissen besteht. Und all diese Ereignisse bestimmen selbst - im Rahmen ihrer Möglichkeiten! - was sie tun und wie sie es tun. Und wenn die Welt im Kleinsten ganz anders beschaffen ist als wir Menschen jahrtausende lang dachten, dann ist sie es auch im Größten, dann ist sie es durch und durch - überall. 

Wir müssen anders als bisher über die Frage nach dem Leben und nach dem Tod zu denken, zu fühlen und handeln lernen. Wir müssen von uns selbst aus gehen, für uns selbst entscheiden und von hier, von mir aus, die Welt begreifen lernen. Jedes Ereignis tut es einfach, jedes Tier tut es instinktiv. Nur wir Menschen machen uns das Leben schwer, indem wir krampfhaft versuchen, von uns selbst abzusehen. Und hoffen, dafür belohnt zu werden. Was für ein tragischer Irrtum.

Diese Auffassung schließt die "Sowohl-als-auch" Antwort ein. Aber sie präzisiert und erweitert das "Sowohl als auch". Menschen wie ich zum Beispiel und viele andere auch, geben sich mit der Hoffnung auf Sinn noch nicht zufrieden, sondern fragen weiter:

Was kann ich tun, um all die Ereignisse, die mich ausmachen, zu einem integren, aus sich selbst heraus lebensfähigem Ganzen zu formen? Wo fange ich an? Wo finde ich Verbündete? Wer kann mir da bei helfen? Prozess-Menschen studieren und beobachten das Zusammenspiel von Natur, Menschen und Göttern immer feiner, immer genauer. Und korrigieren sich von Moment zu Moment. So lernen sie leben. Sie experimentieren mit sich. Und erleben: Ich kann es schon ein wenig, ich wachse! Ganz von allein wie mir scheint. Wie ein Kind. Wow!

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