Der Rauch des Opferfeuers verbindet Menschen mit Göttern - Rituale der Mayas, Azteken und Inkas.
Der Rauch des Opferfeuers verbindet Menschen mit Göttern – Rituale der Mayas, Azteken und Inkas.

Das Wiederaufleben der Wasserpfeife heutzutage und hierzulande kann man in allen größeren Städten beobachten. Ein Blick auf die Wurzeln diese Tradition zeigt, dass  gemeinsames Erzeugen von Rauch eine besondere Verbindung schaffen soll. Verbindung womit? Nun, es begann vermutlich mit den Göttern.

Und noch ein Detail der Rauchkultur ist fraglich: Viele Berichte gehen davon aus, dass die Tradition des Rauchens in diversen Formen in Indien und Nordamerika weit verbreitet war. Oft ist es aber nicht klar, was dann mit Rauchen gemeint ist.

Rituell erzeugter Rauch – darum handelt es sich meist, wenn von der Herkunft der Rauchkultur berichtet wird. Weniger klar ist, durch das Verbrennen welcher Substanzen dieser heilige Rauch erzeugt wurde. 

Wasserpfeife rauchen ist hierzulande gerade in

Die Shisha-Bars schießen hierzulande vielerorts aus dem Boden und in jeder größeren Stadt gibt es unzählige Bars, die das Wasserpfeife Rauchen anbieten und zelebrieren. Junge Menschen, die vielleicht nicht gern zur Zigarette als Tabakkonsumenten greifen möchten, sehen in ihr die beste Alternative. Ein Faktor scheint dabei besonders wichtig zu sein. Man kommt zusammen. 

Und damit steht das Wasserpfeife Rauchen auf jeden Fall in der Tradition von Geselligkeit und Zusammensein mit Gleichgesinnten. Man tauscht sich aus und kommuniziert über alles Mögliche im Alltag. Auch welcher Tabak vielleicht der Richtige ist, und welche Geschmacksrichtungen besonders intensiv sind, kann man dann live diskutieren. Ebenso kann man sich über angesagte Onlineversände wie auf smoke2u.de oder auch Geschäfte vor Ort austauschen.

Die Spuren des Rauchs führen in den Orient

Die Spuren des mehr oder weniger rituellen gemeinsamen Rauchens führen in den Orient.
Die Spuren des mehr oder weniger rituellen gemeinsamen Rauchens führen in den Orient.

und nach Indien – soweit es das Equipment der Wasserpfeife betrifft. 

Der vom Persischen abstammende Ausdruck „Schische“, für Glas, wird als Ableitung für die Shisha benannt und gilt als eine historische Wasserpfeife. Im gesamten indischen wie auch arabischen Raum ist sie traditionell vorhanden und wird noch heute sehr intensiv genutzt.

Es wird davon ausgegangen, dass sie schon vor Hunderten Jahren genutzt wurde und sie zunächst aus einer Kokosnuss und einem Bambusrohr bestand. Es verbreitet sich der Name über das Türkische und Arabische und sogar in Regionen nordafrikanischer Dialekte.

Hier handelte es sich allerdings nicht mehr nur um den Ausdruck für Glas, sondern spezifische für die Wasserpfeife an sich. Im Türkischen wird die Pfeife als „Nargile“ bezeichnet, was auf das persische Wort „nargile“, das dann wiederum „Kokosnuss“ bedeutet abgeleitet. Somit fundiert sich die These und die Erzählung, dass ein Bestandteil der Shisha eben auch aus einer Kokosnuss bestand. Das Sanskrit-Wort „narikela“, geht ebenfalls auf „die Kokosnuss“ zurück.

Indien und seine heiligen Sadhus

Sadhus verbinden sich mit dem Gott Shiva - dem Gott, der die festen Formen zerstört. 
Sadhus verbinden sich mit dem Gott Shiva – dem Gott, der die festen Formen zerstört.

Die Spuren führen vom Orient weiter östlich – nach Indien. Nur gibt es da eine kleine Ungereimtheit. In Indien wurde sehr wahrscheinlich erst relativ spät, etwa ab 1600, Tabak geraucht. Denn der Ursprungsort des Tabakrauchens liegt weit im Westen, westlich des Atlantischen Ozeans.

Eine viel weiter zurück reichende Tradition hatte in Indien das Rauchen von bewusstseinsverändernden Substanzen. Bilder von ehrwürdigen heiligen Männern, Sadhus im Meditationssitz, die rauchen, gibt es viele. 

In Wikipedia, Stichwort Sadhu, heißt es zum Beispiel: „Viele Sadhus rauchen Haschisch (charas) oder Cannabis (ganja), unter anderem zum Zwecke der Meditation.“

Nach meiner Erfahrung passt Cannabis und Meditieren nicht gut zusammen, da es beim Meditieren nicht nur, aber doch sehr zentral darauf ankommt, sich zu konzentrieren. Und unter Konzentration verstehe ich die Fähigkeit, über längere Zeit den einmal gewählten Fokus klar und scharf zu halten. Die Wirkung von Cannabis dagegen geht in die andere Richtung: Grenzen auflösen, loslassen, defokussieren. 

Aber Tradition scheint es in Indien zu sein, vor allem das Loslassen, sich Auflösen im Nirwana als Ziel der Meditation anzustreben. Sie verbinden, was auch heißt: identifizieren sich mit dem Gott Shiva – dem Gott, der die festen Formen zerstört

Tabak rauchen im ursprünglichen Amerika

Rituelles Räuchern bei den Azteken
Rituelles Räuchern bei den Azteken

Explizit um das Rauchen von Tabak ging es dagegen bei den Völkern im Norden und Süden des amerikanischen Kontinent – vor Columbus.

Das Rauchen von Tabak hat sich im früheren Amerika vermutlich aus der Räucherzeremonie der Priester und Medizinmänner entwickelt. Die auch bei uns in Europa sprichwörtlich gewordene Friedenspfeife haben wir von solchen Räucherzeremonien übernommen.

Dass bei solchen Ritualen nicht nur Tabak oder, je nach Ritual, auch andere Pflanzen geräuchert wurden, liegt in der Natur der Sache (von Ritualen).

Das Räuchern von Kräutern und überhaupt Pflanzen und Pflanzenteilen stammt zwar keineswegs exklusiv aus Amerika, ist aber typisch für die Kultur der Inka, Azteken oder in heutiger Zeit: Navajo, Hopi und Tsalagi (Cherokee). 

Rauch und räuchern – sich mit den Göttern verbinden 

Ein drittes Beispiel für die Tradition des rituellen Räuchern führt uns nach Europa – in das antike Griechenland. Professor Walter Ötsch, den ich hier im Video verlinkt habe, beginnt seine Welt-Bilder Vorlesungsreihe mit den Helden und Göttern im frühen Griechenland

Vielleicht habt ihr ja Lust, dem Professor eine Weile zuzuhören – er erzählt sehr anschaulich und lebendig von Kulturen, die für uns Heutige kaum oder gar nicht zu verstehen sind. 

Der Punkt, um den es mir hier in dem Kontext geht, ist aber das Rauchopfer. Ötsch beschreibt zum Beispiel, wie im alten Griechenland ein Fest zu Ehren des Dionysos gefeiert wurde.

Geopfert und verbrannt wurde in der Regel ein Tier, zum Beispiel ein stattlicher Stier. Das Fleisch rituell zu verspeisen, gehörte neben Trinken, Tanzen, Singen, Vögeln zu den zentralen Bestandteilen des Rituals oder rituellen Festes.

Der Rauch des gebratenen Tieres nun stieg zu Göttern empor und galt als die Gabe an die Götter. So feierten Menschen und Götter gemeinsam ein Fest. Und das zu Feiernde war neben dem Anlass wie etwa der Ankunft des Frühlings, die Verbindung zwischen Menschen und Göttern. 

Bildquellen:

© Carabo Spain auf Pixabay / DEZALB auf Pixabay / brian261 auf Pixabay / Jean Pascal Sébah – The short cut to India the record of a journey along the route of the Baghdad railway, by David Fraser [1], 1909., Gemeinfrei, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2943559 / Kritzolina – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=38356254

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