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Cannabis und Religion 

Schamanen gab es in allen traditionellen Kulturen.
Schamanen gab es in allen traditionellen Kulturen.

Cannabis hat eine lange Tradition als Heilpflanze, besonders im Kontext so mancher Religion, vermutlich sogar (fast) aller Religionen. Für frühe Kulturen hatten berauschende bzw. bewusstseinserweiternde Substanzen eine wichtige Funktion in ihrer spirituellen Praxis. Und derer gibt es viele, wenn man auch Alkohol und Tabak dazu rechnet. Was nun die Hanfpflanze betrifft, so waren es wohl Menschen in China, die sich die berauschende Wirkung dieser Pflanze in ihren Ritualen zunutze machten. Auch heute noch nutzen Menschen Cannabis, um sich Gott näher zu fühlen oder um sich von ihren Sünden reinzuwaschen. Je nach Kultur hat der spirituelle Gebrauch der Hanfpflanze allerdings eine deutlich voneinander verschiedene Bedeutung. 

Hanfpflanzen in antiken Begräbnisritualen

Wissenschaftler des Max-Planck-Instituts (MPI) für Menschheitsgeschichte in Jena, der Chinesischen Akademie der Wissenschaften sowie der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften (beide Peking) untersuchten 2019 in einer Studie, die open source in Science adcances veröffentlicht wurde, den antiken Gebrauch von Hanfsamen. Laut ihrer gemeinsamen Studie aus dem Jahr 2019 wurden Hanf-Pflanzen im Rahmen von Begräbnisritualen verbrannt und dabei bewusst solche, die besonders berauschend wirkten.

Schamanismus – die ältesten Religionen

Der älteste Cannabisfund der Welt stammt aus Westchina. Im Grab eines Schamanen, der rund 2.700 Jahre vor Christus lebte, wurde Marihuana als Grabbeigabe gefunden. Schamanen gab es in allen alten Kulturen bzw. kosmotheistischen Religionen. Das Wort Schamanismus kommt aus dem Sibirischen und bedeutet übersetzt: Mit Hitze und Feuer arbeiten. Es befand sich in Schalen am Kopf und am Fuß des Mannes, was zeigte, dass ihm große Bedeutung beigemessen wurde. Vermutlich war es Bestandteil religiöser Rituale und half dem Schamanen dabei, mit der Geisterwelt in Kontakt zu treten. 

Hanfsamen im antiken Griechenland 

Aus dem antiken Griechenland sind keine Riten, in denen man Hanf als Rauschmittel verwendete, bekannt, zumindest keine Rituale oder Feste, mit denen die alten Griechen ihre Götter verehrten. Alkohol schien die berauschende Droge der alten Griechen zu sein. Dies legt sehr eindrücklich der Kult um den Gott der Ekstase und eben des Weines Dionysos nahe. Zur selben Zeit jedoch noch, nämlich im Jahre 440 vor Christus, war es der griechische Geschichtsschreiber Herodot, der seine Landsleute über Cannabis aufklärte. Die Skythen, ein Reitervolk, von dem wir vor allem aus Berichten des antiken Griechenlands wissen, brachten Cannabis nach Griechenland.

Vermutlich waren es Skythen, die Cannabis nach Europa brachten, zumindest ins antike Griechenland.
Vermutlich waren es Skythen, die Cannabis nach Europa brachten, zumindest ins antike Griechenland.

Den Schriften von Heredot zufolge praktizierten die Skythen bei Beerdigungen ein Ritual, in dem Hanfsamen eine Rolle spielten. Sie ließen Hanfsamen auf heißen Steinen verglühen um den den Rauch zu inhalieren und anschließend Freudenschreie von sich zu geben. So beschreibt es Heredot, ein Grieche. Heute haben wir natürlich andere Möglichkeiten, uns zu informieren und sind nicht mehr auf Gatekeeper wie Heredot angewiesen. Insbesondere gibt es Webseiten wie https://www.cannaconnection.de, die einem Informationen über die einem verschiedenen Anwendungen von Cannabissamen liefern.

Cannabis in der Religion des Taoismus

Im heutigen China ist Cannabis geächtet. Im ersten Jahrtausend war es hingegen Bestandteil des Taoismus. Das Wushang Biyao aus dem 6. Jahrhundert beschreibt, wie man Cannabis in Räucherschalen verbrannte und wie die Taoisten mit halluzinogenem Rauch experimentierten. Auch im Wuzangjing, einem Werk aus der gleichen Zeit, hat Cannbis einen rituellen Sinn. Dort finden sich Anleitungen, dass man Hanfblüten essen kann, um Dämonen heraufzubeschwören. 

Cannabis in der Religion des Buddhismus

Die meisten buddhistischen Strömungen verbieten die Einnahme von berauschenden Substanzen und damit auch Cannabis. Es gibt aber auch alte Schriften des Vajrayana-Buddhismus, die Cannabis ausdrücklich preisen, da es dabei helfe, die wahre Natur der Dinge zu erkennen. Allerdings scheint diese Tradition im Laufe der Jahrhunderte verloren gegangen zu sein. Jedenfalls spielte Cannabis in dieser Religion nie eine zentrale Rolle. 

Cannabis in der Religion des Hinduismus 

Indischer Saddhu - seine Pfeife rauchend
Indischer Saddhu – seine Pfeife rauchend

Im Hinduismus hat Cannabis eine lange Tradition. Bekannt für die Rauchschwaden, in welche sie sich hüllen, sind bei uns in Europa besonders die Saddhus, die heiligen Männer der Hindus. In hinduistischen Ritualen nimmt man Cannabis vor allem in der Form von Bhang zu sich. Bhang ist ein Getränk aus Milch, gemahlenem Cannabis und Gewürzen. Dieses Getränk ist ein wichtiger Bestandteil des Holi-Frühlingsfestes, zu diesem Anlass auch stellt man es bei der Festvorbereitung in großen Mengen her. Als Bestandteil von Zeremonien soll Bhang den Trinker von seinen Sünden befreien. Gewohnheitsmäßig, im Alltag Cannabis zu sich zu nehmen, ist für Hindus aber nicht OK. Der nicht-rituelle Freizeit Konsum von Cannabis wird im Hinduismus ausdrücklich verurteilt. 

Cannabis im Christentum und Judentum 

In der ursprünglichen hebräischen Fassung des Alten Testaments wird Cannabis sowohl als Rauschmittel als auch als Räuchergut erwähnt. Cannabis war zur Zeit, als Judentum und Christentum entstanden in allen Ländern, in denen sich der Monotheismus entwickelte, weit verbreitet. 2020 fanden Archäologen im Tel Arad, einem jüdischen Tempel, knapp 100 km südlich von Jerusalem, einen 2.000 Jahre alten Schrein. Das Besondere an diesem Schrein ist, dass man dort Spuren eines rituellen Gebrauchs von Cannabis nachweisen konnte. Heute verurteilen hingegen sowohl das Christentum als auch das Judentum die Verwendung von Cannabis. 

Rastafaris verwenden Cannabis exessiv

Im Rastafarianismus nimmt Cannabis eine zentrale Stellung ein. Rastafari oder Rastafarianismus nennt sich eine im vorigen Jahrhundert entstandene religiöse Bewegung, die dem Christentum entsprungen ist. Viele Rastafaris rauchen das Kraut gemeinsam in Pfeifen, um Gott näher zu sein und Erkenntnisse über sich selbst und das Leben zu gewinnen. Die Pfeife wird dabei dem Kaiser Haile Selassie geweiht, bevor sie entzündet wird. Rastafaris berufen sich dabei unter anderem auf die Johannes-Offenbarung, wo es heißt: „Die Blätter der Bäume dienen zur Heilung der Völker“. 

Bildquellen:
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