Jesus - Mensch gewordener Gott im Christentum
Jesus – Mensch gewordener Gott im Christentum

Es gibt keinen Zweifel darüber, dass sich das Christentum auf der Basis der jüdischen Überlieferung als monotheistische Religion versteht. Es bekennt sich zu dem einen einzigen Gott. Ein Widerspruch? Immerhin beten Christen zur Dreifaltigkeit. Dennoch handelt es sich beim Christentum um Monotheismus, nicht trotz, sondern gerade in seinem Bekenntnis zur Dreifaltigkeit. Ein Gastbeitrag von Magda

Den Glauben verstehen

Vielen Menschen fällt es heute schwer, über den Glauben und Gott zu sprechen. Das gilt auch für Christen. Etwas zu glauben meint im alltäglichen Sprachgebrauch oft soviel wie etwas annehmen, etwas vermuten ohne hinreichende Sicherheiten. Es gibt gewisse Wahrscheinlichkeiten, manches spricht dafür, aber ganz sicher sind die Hinweise nicht.

Religion und Glauben sind unzertrennbar miteinander verbunden. Der Glaube ist etwas ganz persönliches, individuelles. Je moderner die Zeit, je aufgeklärter die Menschen und je genauer die Wissenschaft bestimmte Themen erklären kann, umso schwieriger ist, an einen Gott zu glauben.

Besonders im Christentum, das ja neben dem Judentum und dem Islam, eine der drei monotheistischen Religionen ist. Monotheistische Religion bedeutet, dass es für die Gläubigen nur einen Gott gibt. Aber wie kann es dann sein, dass im christlichen Glauben mit dem Satz: „Ich glaube an Gott“ gleich drei göttliche Personen, nämlich Gott Vater, Jesus sein Sohn und der Heilige Geist gemeint sind?

Ich war viele Jahre in meiner Heimatgemeinde als Pastoralassistent in der Seelsorge tätig. Diese Zeit war für mich nicht einfach, aber aufregend und lehrreich. Die Gespräche mit den Gläubigen stärkten zum Teil meinen Glauben, aber sie brachten auch Selbstzweifel. Es ist viel leichter an etwas zu glauben, dass man versteht und nachvollziehen kann.

Ich verstand lange Zeit nicht, obwohl ich behaupte, dass ich im Glauben gefestigt bin und auch komplexe Themen gut verstehe, warum das Christentum nur einen Gott hat, obwohl es drei unterschiedliche göttliche Personen verehrt und anbetet.

Ich merkte schnell, dass ich eine für mich akzeptable Antwort finden muss, denn sonst gelingt es mir nicht, anderen Menschen, die vielleicht noch größere Zweifel oder Bedenken haben, den Sinn und die Logik der nicht immer leicht zu verstehenden „Ein Gott Religion“ zu vermitteln.

Also begab ich mich auf die Suche und merkte, dass ich sowohl im Alten, als auch im Neuen Testament, viele Fragen beantwortet bekam, denn das Alte und das Neue Testament beschäftigen sich ausführlich mit dieser Fragestellung. Informationen über dieses komplexe Thema finden Interessierte auch im Synodendokument Unsere Hoffnung.

Monotheismus aus Sicht des Alten Testamentes

Im Alten Testament gibt es das Bewusstsein, dass nur ein Gott präsent ist, spätestens ab dem sechsten Jahrhundert vor Christus. Davor ist das Bekenntnis zu dem einen Gott JHWH (aus der hebräischen Sprache und ist der Eigenname des Gottes Israels) weniger eine Seinsaussage als vielmehr Ausdruck einer exklusiven Beziehung – für uns ist dieser Gott der einzige!

Ab dem Babylonischen Exil, 586-539 vor Christus, finden sich im Alten Testament viele Aussagen, die auch die Einzigkeit Gottes betonen. Solche Leitsätze des Monotheismus entsprangen der Erfahrung Gottes als zuverlässigen Helfer. Besonders in Krisensituationen stellte sich heraus, dass allein der „Gott der Väter“ eine wirkliche Hilfe sein kann. Die Absolutheit Gottes erfuhren die Menschen in seiner Verlässlichkeit.

Natürlich ist der Monotheismus nicht nur der Verdienst des Jahwe-Glaubens. Für die spätere Ausformulierung hat die griechische Philosophie wesentlich dazu beigetragen. Dieses Denkmodell bleibt jedoch abstrakt und weitgehend ohne existentiellen Bezug. Der eine Gott Israels ist aber kein Ergebnis philosophischen Nachdenkens. Es ist vielmehr Gegenstand lebendigen Glaubens begründet auf geschichtlicher Erfahrung. Man redet weniger über Gott als vielmehr zu ihm.

Monotheismus aus Sicht des Neuen Testamentes

Das Bekenntnis zu einem Gott ist die Grundlage für die Gotteserfahrung im Neuen Testament. Der Gott, den Jesus verkündet, ist der Gott des Alten Testament, ist JHWH. Gleichzeitig überschreitet die Erfahrung, die Menschen mit Jesus von Nazaret machten, den Rahmen der Gottvorstellung aus dem Alten Testament. So wurde auf der Basis des Eingottglaubens eine neue Sicht Gottes formuliert.

Die paulinischen Schriften des Christentum

In den paulinischen Schriften findet sich der Glaube an den Sohn Gottes, der vor aller Schöpfung beim Vater lebt und der zum Heil der Menschen selbst Mensch wird.

In diesen und ähnlichen Texten spiegelt sich eine gewisse Spannung, dass das Christentum am Bekenntnis zum Monotheismus festhält, andererseits jedoch Jesus ganz auf der Seite Gottes sehen. Jesus ist Gott, aber es gibt nur einen Gott.

Dieselbe Spannung finden wir auch in den Erfahrungen, die das Christentum mit dem Geist Gottes machten. Er wird erlebt als Gott, der in den Menschen wirkt und in der Kirche gegenwärtig ist.

Theologen haben versucht, dieses Bündel an Erfahrungen der jungen Christenheit mit Gott, Jesus und dem Heiligen Geist mit Formel alius non aliud (ein anderer, nicht anders) näher zubringen und zu beschreiben. Im Sohn und im Heiligen Geist gibt sich Gott selbst zu erkennen. Sohn und Heiliger Geist sind andere als der einzige Gott, der Vater. Dennoch wirken sie auf göttliche Weise, sie sind selbst eben auch göttlich.

Der Dreifaltige Gott im Christentum

Die Kirche betonte in allen ihren Bekenntnissen die Göttlichkeit des Sohnes und des Heiligen Geistes. Das Konzil von Nizäa (325) sprach von Jesus als wahrer Gott vom wahren Gott, eines Wesens mit dem Vater. Wie Gott erscheint, so ist er auch, Gott erscheint in Jesus als der er ist, Gott ist also Vater, Sohn und Heiliger Geist. Und doch sind es nicht drei Götter, sondern ein einziger Gott, aber eben in drei Personen. Letztendlich geht es um das Verstehen der Heiligen Dreifaltigkeit und um den Versuch, begrifflich auszufalten, dass Gott in sich selbst die Liebe ist.

Ist ein monotheistischer Gott einsam?

Im Vergleich zu vielen Göttern, ja sogar großen Götterfamilien ist der monotheistische Gott ein ewig einsamer Monarch. Und doch ist er nicht immer unendlich fern und allein. Er kann auch in Beziehung zum Menschen treten, so sehr, dass er sich in Christus mit den Menschen identifiziert und den Menschen Anteil am göttlichen Leben schenkt. Diese Gemeinschaft ist eine Win-win-Situation für beide Seite. Eine Gemeinschaft gibt Halt und Unterstützung, keiner fühlt sich mehr einsam und alleine.

Literaturquellen: 

  • https://weltkirche.katholisch.de/Portals/0/Dokumente/Gemeinsame_Synode_1975_-_Unsere_Hoffnung.pdf
  • https://www.bibelwissenschaft.de/bibelkunde/themenkapitel-at/babylonisches-exil/
  • https://www.heiligenlexikon.de/Glossar/Konzile_von_Nicaea.html
  •  

Bildquellen: 

© Thomas B. auf Pixabay

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