Adonis Skulptur im Louvre
Adonis Skulptur im Louvre

Adonis, dem Mythos nach sagenhaft schön, wird oft auch als Gott der Schönheit und der Vegetation bezeichnet. Doch als ein Gott im engeren Sinne galt Adonis bei den Griechen nicht. Er galt als Inbegriff eines schönen Jünglings und gilt, ähnlich wie Aphrodite, seine Geliebte, noch heute als schön.

Ein Gott der Schönheit war er also eher im übertragenen Sinne, er wurde vor allem für seinen makellosen Körper verehrt. Letztlich nutzte Adonis all seine Schönheit nichts, im Gegenteil, er zog nicht nur Bewunderung, sondern auch Hass und Eifersucht auf sich. 

Und doch war er so frei von Schönheitsfehlern, wie wohl nur ein Gott sein kann. Man könnte auch sagen, als Gott der Schönheit beschreibt er ein Ideal, das schon damals den Wunsch vieler Männer nach einem perfekten Körper ausdrückt.

Gott der Schönheit✔️Schönheitsideal für Männer

Das Schönheitsideal für europäische weiße Männer hat sich seit der Antike kaum verändert. Ein muskulöser und symmetrisch proportionierter Körper scheint für männliche Schönheit schon immer besonders wichtig gewesen zu sein. 

Neben einem ebenmäßigen kräftigem Körper und markanten Gesichtszügen gilt auch üppiges Haar als attraktiv. Das gilt natürlich besonders für Frauen aber auch für Männer. Der biologische Sinn dieses Schönheitsideals ist offensichtlich: Volles, schönes Haar gilt als ein Indiz für Gesundheit und Fruchtbarkeit. Und das ist kein Glaube, auch kein Beweis natürlich nicht, aber schon ein Indiz. 

Auch für schönes Haar ist Adonis, der Gott der Schönheit bei den alten Griechen ein anschauliches Beispiel. Die Statue von Adonis, die heute im Louvre zu bewundern ist, zeigt den Gott der Schönheit mit vollem lockigem Haar. Natürlich sind auch die wohl definierten Muskeln und die insgesamt symmetrischen Formen von Gesicht und Körper bei Adonis deutlich erkennbar.

Solch ein Schönheitsideal stellt vermutlich jeden Mann vor eine Herausforderung, der von erblich bedingtem Haarausfall betroffen ist. Die androgenetische Alopezie fängt bei manchen schon mit Anfang 20 an und spätestens ab 50 kann jeder zweite Mann ein Lied davon singen.

Der Mythos um den schönen Adonis

Schönheit kann ein Segen sein aber auch ein Fluch. Das zeigt die Geschichte des schönen Jünglings, der zwar göttlich verehrt, aber doch selbst kein unsterblicher Gott wurde. Statt dessen wurde er von Aphrodite in eine Annemone verwandelt. 

Sohn der Myrrha, Namengeberin des Myrrhenbaums

Es gibt mehrere Versionen über die Herkunft des schönen Adonis. Die am häufigsten erzählte ist die eines Inzestes. Der Sohn der Myrrha und ihres Vaters, König Kinyras von Assyrien soll Adonis gewesen sein. Seine Eltern waren also keine Götter und er kannte sie auch nicht.

Die Geburt des Adonis aus dem Myrrhenbaum
Die Geburt des Adonis aus dem Myrrhenbaum

Seine Mutter, Myrrha war von den Göttern in einen Myrrhenbaum verwandelt worden, sodass der kleine Adonis von Nymphen aufgezogen wurde. Und das kam so:

Aphrodite war es, die wohl aus Zorn über die Schönheit der Myrrha die Königstochter ihren eigenen Vater begehren ließ. Ihr Verlangen brachte Myrrha zur Verzweiflung, sodass sie sich selbst töten wollte. Doch ihre Amme hatte eine andere Idee. Sie verkleidete die Königstochter und brachte sie als eine Fremde zum Bett ihres Vaters.

Als sich der König des begangenen Inzestes bewusst wurde, wollte ich er seine Tochter töten. Myrrha aber floh, auch über Flucht werden viele verschiedene Geschichten erzählt, der zornige Vater immer hinterher.

Der schöne Jüngling

Adonis wuchs also zu einem Jüngling heran und war so schön, dass Aphrodite auf ihn aufmerksam wurde. Sie setzte, so beschreibt es das Gründliche Mythologische Lexikon, in einen Kasten und brachte ihn zu Persephone. Auch Persephone war von der Schönheit des Jünglings so angetan, dass sie ihn, ebenso wie Aphrodite, für sich behalten wollte.

In solchen Fällen musste, wie so oft, Zeus entscheiden. Und auch Zeus fand Gefallen an dem wohlgestalteten Adonis. So entschied er, dass Adonis je ein Drittel des Jahres bei ihm selbst, Zeus, bei Aphrodite und bei Persephone sein sollte.

Adonis aber soll sich von Zeus abgewandt haben und mit Aphrodite nicht nur ein, sondern zwei Drittel des Jahres verbracht haben.

Soweit ich die Literatur durchblicke, kam es zu keiner Liebesnacht oder ähnlichem zwischen Aphrodite und dem schönen Jüngling. Zumindest hatte in den griechischen Mythen eine Liebesnacht zwischen Mann und Frau fast immer zur Folge, dass die Frau einige Monate später ein Kind gebar.

Der eifersüchtige Ares

Aphrodite war zwar die Frau von Hephaistos, doch hatte sie viele Geliebte und von diesen auch Kinder. Ihr sozusagen Haupt-Liebhaber war Ares und der wurde früher oder später eifersüchtig auf Adonis. Den Umstand ausnutzend, dass der Jüngling gern auf die Jagd ging, verwandelte ich Ares in einen Eber und tötete den Geliebten seiner Geliebten. Andere Versionen berichten, dass nicht Ares, sondern Apollon den Adonis auf der Jagd tötete.

So oder so – der Mythos von diesem besonders schönen männlichen Wesen und dessen frühen Tod gilt als ein Gleichnis für die Vergänglichkeit der menschlichen Schönheit.

Jung und schön für immer?

Schon Ägypter, Griechen und Römer legten viel Wert auf ihr Äußeres und suchten stets nach Möglichkeiten, um ewig jung und schön zu bleiben. Sie nutzten Öle, glätteten ihre Haare. Berühmt dafür war vor allem Kleopatra, die letzte altägyptische Königin, die mit allen Mitteln versuchte, das Ende Ägyptens zu verhindern. 

Kleopatra, so heißt es, badete sich in Eselsmilch und Honig, um ihre Haut zu verwöhnen.  oder auch um unwiderstehlich auf die römischen Herrscher zu wirken, mit denen sie um die Macht in Ägypten rang.

Unwiderstehlich, ewig, göttlich, jung – eine ewige Schönheit, göttlich eben. Wir finden dieses Ideal ewig jugendlicher Schönheit sehr ausgeprägt auch bei Tolkien. Galadriel oder auch Arwen, die beiden überirdischen Schönen, sind mehr als 2000 Jahre alt. 

Ewige Jugend – ein Traum der nie vergeht

Auch heute noch streben Männer wie Frauen nach Schönheitsidealen, wie sie Adonis und Aphrodite schon darstellten.

Es werden ausgeklügelte Lösungen und Mittel entwickelt, um dem Alter, der Vergänglichkeit von Schönheit und damit vielleicht auch dem Tod zu entkommen.

Hermann Hesse dichtet diesen Wunsch nach ewiger Jugend in ein spirituelles Streben nach immer neuen Lebenskreisen. Ein schönes Gedicht, eines meiner Lieblingsgedichte von Hesse und vielleicht könnte sich ja in dieser Deutung wirklich zeigen, welche Weisheit hinter dem Wunsch nach ewiger Jugend steckt. 

Ich zitiere hier nur die letzten vier Verse des Gedichtes, das aus 22 Versen besteht. Wenn dich das das ganze Hesse-Gedicht interessiert – es heißt „Stufen„, Hesse hat es 1941 geschrieben. 

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden, 
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden,
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde! 

Quellen: 

Gründliches mythologisches Lexikon und Kleiner Pauly

Bildquellen: 

© Louvre Museum / Public domain / Von Guercino? / Public domain

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