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Die Götter Griechenlands✔️Bei Schiller & anders bei Heine

Die Götter Griechenlands - das Orakel von Delphi mit der Göttin Themis als Pythia
Die Götter Griechenlands – das Orakel von Delphi mit der Göttin Themis als Pythia

Die Götter Griechenlands haben nicht nur die alten Griechen fasziniert, sondern auch Jahrtausende später große (und auch weniger große) Künstler beschäftigt. Sie tun es nach wie vor. 

Was ist es, was diese längst vergangenen Götter für weit nach ihnen Geborene attraktiv machte und macht? Und wenn sie so faszinierende Gestalten sind – wie kam es, dass sie untergingen? Hatten sie keine Lust mehr? Wurden Sie vernichtet? Von anderen Göttern verdrängt? 

Einig, was es mit dem Untergang der alten Götter Griechenlands auf sich hat, waren sich schon unsere „Klassiker“ Schiller und Heine nicht.

In diesem Artikel halte ich mich in Sachen Götter-Untergang vor allem an die beiden Gedichte unserer deutschen Klassiker. 

Die Götterwelt der Griechen war groß

Diese Götter der Griechen beherrschten und lenkten das Leben und den Alltag der (griechischen) Völker. Sie galten als heilig, schicksalsträchtig und bedeutend, als zukunftsweisende Macht mit göttlichem Segen. Die so genannten olympischen Götter bildeten die Gruppe der Hauptgötter.

Dionysos im Mosaik von Zeugma
Dionysos im Mosaik von Zeugma

Doch auch einzelne vorolympische Götter und viele Halbgötter und weitere griechische Gottheiten und Nebengötter trugen dazu bei, dass die Griechen für alle existentiellen Situationen in ihrem Leben Götter an ihrer Seite wussten.

Die Griechen riefen ihre Götter an, wenn sie in Not waren oder große Unternehmungen planten. Dafür wurden den Göttern denn auch etliche Opfer und Opfergaben erbracht.

Die Hauptgötter – auf dem Olymp

Wahrscheinlich war es so, dass alle Götter den Titel Hauptgott erhielten, die sich auf dem Olymp aufhalten durften. Somit gehören auch alle Kinder und Geschwister des Zeus zur olympischen Sphäre. Die absolute Herrschaft von Zeus und seinen Geschwistern begann, so erzählt es die Mythologie, als Zeus seinen Vater Kronos besiegt hatte. 

Durch den Sturz Kronos durch die Hand Zeus beginnt die Ära der olympischen Gottheiten. Die bekanntesten Kinder des Zeus sind Apollon, Hermes, Athene, Aphrodite, Persephone, Herakles oder auch Dionysos. Die beiden zuletzt erwähnten sind die Kinder sterblicher Frauen, die dann ebenfalls im Olymp aufgenommen wurden.

Götter haben bestimmte Aufgaben

Unzählige Götter und Halbgötter hatten jeweils eine ganz bestimmte Bedeutung und eine oft sogar recht klar umrissene Zuständigkeit.

Heiligtum der Athene
Heiligtum der Athene

Da gibt es den Gott der Hochzeiten, Götter des Traumes, des Schicksals, der Kriege, Windgötter, die Göttin der Zauberkunst, der Liebe und Zuneigung, Göttinnen der Tages- und Jahreszeiten, Hypnos, den Gott des Schlafes, und den Götterboten Hermes.

Eine besondere Rolle in der Götterverehrung der Götter nimmt bei den Griechen das Orakel von Delphi ein. Vor wichtigen Unternehmungen wünschten sich die Menschen von Göttern einen Blick in die Zukunft. 

Oder Iris, die Göttin des Regenbogens – sie gilt als Mittlerin zwischen der Götterwelt und der Menschen, deshalb der Regenbogen, der auch in anderen Götterpantheonen als Brücke zwischen Göttern und Menschen begrüßt und gedeutet wurde, so er sich am Himmel zeigte.

Halbgötter und Heroen

Auch bei den Halbgöttern und Heroen ist die Liste der göttlichen Wesen lang. Achilles zum Beispiel galt als Sohn und gefeierter Kämpfer und Held des Griechenheeres vor Trojas Toren. Der Streit und tödliche Kampf zwischen Achilles mit dem mächtigen Agamemnon ist noch heute in vielen Tempelmalereien Griechenlands zu sehen.

Auch der starke und mächtige Kämpfer Trojas, Ajax, wurde von Achilles besiegt. Schließlich war es der trojanische Prinz, Paris, der den Halbgott der Griechen durch einen (von Apollon gelenkten) Pfeil tötete. 

Der berühmteste Halbgott und Heros der Griechen ist wohl Herakles. Anders als Achill wird er nach seinem Tod schließlich in die Reihe der olympischen Götter aufgenommen. 

Die Götter Griechenlands – Gedichte von Schiller und Heine

Soweit ein Blick auf die Götter der Griechen im Schnelldurchlauf. Was ihre Herrlichkeit ausmachte, erzählen und zeigen uns die Künstler und Dichter.

Dionysos Skulptur in Toronto
Dionysos Skulptur in Toronto

Und gleich zwei der berühmten deutschen Dichter haben sich mit den Göttern Griechenlands nicht nur beschäftigt, das eh, sondern eines ihrer Gedichte mit „Die Götter Griechenlands“ betitelt. 

Auf den ersten Blick ähneln sich die beiden Gedichte gleichen Namens schon. Wenn man genauer hinsieht, und das habe ich vor ein paar Jahren einmal getan, sieht man neben der Ähnlichkeit auch den Bruch.

Die Götter Griechenlands – von Schiller, 1800

Für Schiller waren die Götter Griechenlands der Inbegriff von Schönheit, Heiterkeit, Freude Vollkommenheit. Und, was ihm besonders am Herzen lag: Der Künste.

Doch das Fest der Schönheit, Freude und der Kunst währte, so Schiller, nicht für lange. Lang schon ist es her, dass diese herrlichen Götter verschwunden sind, dass sie weichen mussten. Und noch immer wünscht er sich diese herrlichen Götter zurück. 

Hier die letzten fünf Strophen von Schillers Gedicht. Das ganze Gedicht umfasst 16 Strophen.

Schöne Welt, wo bist du? 

… Schöne Welt, wo bist du? Kehre wieder,
Holdes Blütenalter der Natur!
Ach, nur in dem Feenland der Lieder
Lebt noch deine fabelhafte Spur.
Ausgestorben trauert das Gefilde,
Keine Gottheit zeigt sich meinem Blick,
Ach, von jenem lebenwarmen Bilde
Blieb der Schatten nur zurück.

Alle jene Blüten sind gefallen
Von des Nordes schauerlichem Wehn,
Einen zu bereichern unter allen,
Mußte diese Götterwelt vergehn.
Traurig such ich an dem Sternenbogen,
Dich, Selene, find ich dort nicht mehr,
Durch die Wälder ruf ich, durch die Wogen,
Ach, sie widerhallen leer!

Unbewußt der Freuden, die sie schenket,
Nie entzückt von ihrer Herrlichkeit,
Nie gewahr des Geistes, der sie lenket,
Sel´ger nie durch meine Seligkeit,
Fühllos selbst für ihres Künstlers Ehre,
Gleich dem toten Schlag der Pendeluhr,
Dient sie knechtisch dem Gesetz der Schwere,
Die entgötterte Natur.

Morgen wieder neu sich zu entbinden,
Wühlt sie heute sich ihr eignes Grab,
Und an ewig gleicher Spindel winden
Sich von selbst die Monde auf und ab.
Müßig kehrten zu dem Dichterlande
Heim die Götter, unnütz einer Welt,
Die, entwachsen ihrem Gängelbande,
Sich durch eignes Schweben hält.

Ja, sie kehrten heim, und alles Schöne,
Alles Hohe nahmen sie mit fort,
Alle Farben, alle Lebenstöne,
Und uns blieb nur das entseelte Wort.
Aus der Zeitflut weggerissen, schweben
Sie gerettet auf des Pindus Höhn,
Was unsterblich im Gesang soll leben,
Muß im Leben untergehn.

Sie mussten gehen, den einen Gott zu bereichern, wie Schiller es ausdrückt. Man könnte auch sagen: Die herrlichen Götter der Griechen (und auch der Ägypten und Römer und Sumerer) wurden in biblischer Weltdeutung zu gottlosen Heiden. 

Einen zu bereichern unter allen,
Musste diese Götterwelt vergehn.

Die Götter Griechenlands – von Heine, 1825

Heine, der jüngere der beiden (er war noch ein Kind, als Schiller starb), nimmt Schillers Vergleich zu dem einen Gott, der Demut verlangt auf und stellt sich auf die Seite der alten Götter.

Sein Ton hat etwas Spöttisches, ein Hohelied auf „die Alten“ wie jenes von Schiller ist Heines Gedicht nicht. Doch bei allem Spott, der für Heine so typisch war – es ist ein wehmütiger Spott.

Hier ein Ausschnitt aus dem Gedicht von Heine, das vollständige findest Du hier.

Ich habe euch niemals geliebt …

… Ich hab euch niemals geliebt, ihr Götter!
Denn widerwärtig sind mir die Griechen,
Und gar die Römer sind mir verhaßt.
Doch heilges Erbarmen und schauriges Mitleid
Durchströmt mein Herz,
Wenn ich euch jetzt da droben schaue,
Verlassene Götter,
Tote, nachtwandelnde Schatten,
Nebelschwache, die der Wind verscheucht –
Und wenn ich bedenke, wie feig und windig
Die Götter sind, die euch besiegten,
Die neuen, herrschenden, tristen Götter,
Die schadenfrohen im Schafspelz der Demut –
O, da faßt mich ein düsterer Groll,
Und brechen möcht ich die neuen Tempel,
Und kämpfen für euch, ihr alten Götter,
Für euch und eur gutes, ambrosisches Recht,
Und vor euren hohen Altären,
Den wiedergebauten, den opferdampfenden,
Möcht ich selber knieen und beten,
Und flehend die Arme erheben –

Denn immerhin, ihr alten Götter,
Habt ihrs auch ehmals, in Kämpfen der Menschen,
Stets mit der Partei der Sieger gehalten,
So ist doch der Mensch großmütger als ihr,
Und in Götterkämpfen halt ich es jetzt
Mit der Partei der besiegten Götter. …

Ich lese Heines Gedicht so, dass es kein grauser Zufall war, dass die alten Götter der Griechen untergehen mussten, sondern dass sie einen entscheidenden Makel hatten. Sie hielten es, in Kämpfen der Menschen, so sagt es Heine, stets mit den Siegern. Auch sie waren Herrschafts-Götter, könnte man sagen, und gingen daran zugrunde.

Vielleicht ja müssen Götter innig geliebt werden, um überhaupt existieren zu können? Für den, der sie liebt, um es vollständig zu sagen? Heines Bekenntnis, sie nie geliebt zu haben, scheint mir in diese Richtung zu weisen. Für ihn sind die Götter Griechenlands sich auflösende Nebelschwaden. 

Und in Götterkämpfen halt ich es jetzt
Mit der Partei der besiegten Götter.

Bildquellen: 

© History von flickr.com / Thom Quellette von flickr.com

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