StartGriechische GötterGott Dionysos - Gott der Ekstase

Gott Dionysos – Gott der Ekstase

Dionysos, Gott der Ekstase und des Rausches als jugendlicher Gestalt. Gemälde von Leonardo da Vinci
Dionysos – Gott der Ekstase bei den Griechen, Gemälde von Leonardo da Vinci

Als Gott der Ekstase ist Dionysos den Menschen näher als alle anderen Götter. Irdischer, geheimnisvoll, unberechenbar, ekstatisch, sinnlich, leiblich. Der griechische Gott Dionysos war dem Mythos nach von Mänaden und Sartyren umgeben, die dem Gott der Ekstase in wildem Taumel und ausgelassener Lust folgten. Sie waren seine ständigen Begleiterinnen. Böses Unheil traf diejenigen Menschen, welche sich dem ekstatischen Gott in den Weg stellte. Doch folgten ihm viele Menschen und tanzten mit ihm – den wilden Tanz des Lebens selbst. 

Ein griechischer Gott oder ein Fremder?

Ursprünglich, so sagen die einen Mythenforscher, stammt der Gott Dionysos aus Kleinasien und dann auch aus Kreta, also der frühen griechischen (minoischen) Kultur. Die Mythen um Dionysos berichten, wie der Gott – über das Meer – nach Griechenland gelangte und dort schließlich als Gott anerkannt wurde. Doch gibt es für die weite Verbreitung des Dionysos Mythos, dem Gott der Ekstase, auch die genau umgekehrte Deutung. Diese besagt, dass Dionysos ein originär griechischer Gott sei, der sich im Laufe der Jahrhunderte die gesamte (damals bekannte) Welt eroberte. Vor allem der spät-antike Dichter Nonnos beschreibt Dionysos in seiner Dionysiaka auch als Eroberer des fernen Indien.

Gott der Ekstase – spiritueller Enthusiasmus

Mit den Begleiterinnen des Gottes, den Mänaden, hat es eine besondere Bewandtnis: Für ihr rauschhaftes, lustvolles Treiben hat das Griechische zwei Begriffe entwickelt, die uns vertraut sind: Ekstase und Enthusiasmus. Ekstase und Enthusiasmus sind eng mit einander verbunden. Doch sie sind nicht identisch. Ekstase bedeutet so viel wie: Aus sich heraustreten: Ex-stase. Im Kult um Dionysos wird deutlich, dass nur Ekstase dazu führen kann, dass ein Mensch sich den göttlichen Kräften öffnet. Sich selbst als göttlich zu erleben ist die größte Glück, das einem Menschen erfahren kann: Enthusiasmus, unvorstellbare Freude, Gotterfülltheit. Man kann auch sagen, die in wilder Lust tanzenden Mänaden rasen nicht selbst, sondern sie sind von Dionysos erfüllt.

Er ist es, der in ihnen voll wilder Lust tanzt. Die Sehnsucht vieler Religionen der Menschheit, die Verschmelzung des Menschen mit seinem Gott ist im Kult des Dionysos das zentrale Thema. Daher ist es kein Wunder, dass sich der Kult des Gott Dionysos mit unwiderstehlicher Macht und rasend schnell sozusagen in viele Länder verbreitete und auch in Griechenland und dann in Rom (als Bacchus) in den Götterpantheon aufgenommen wurde. Und das, obwohl er eigentlich nicht in das wohl geordnete Göttergefüge zu passen scheint. 

Dionysos – Gestalt der archetypischen Sehnsucht über sich hinaus

Dionysos verwandelt Piraten in Delfine
Dionysos verwandelt Piraten in Delfine

Mit Dionysos hat sich in Griechenland ein erstaunlicher Gott entwickelt. Der Gott Dionysos ist nicht nur typisch griechisch, sondern erzählt von der größten Sehnsucht des Menschen, sich aus seinem tiefsten, lustvollen Innern heraus in Ekstase zu etwas ganz anderem, erhaben Großen zu wandeln. Über sich hinaus zu wachsen. Und das – wie Mythen es zu tun pflegen – auf archetypische, also für jeden Menschen gültige, Weise. So ist es auch kein Wunder, dass der Mythenforscher Joseph Campbell Dionysos als Inbegriff der Mythen der Menschheit gewählt hat. Und der Dichter Philosoph Friedrich Nietzsche hat Dionysos nicht nur Apollon gegenüber gestellt und als Inbegriff von Kreativität beschrieben, sondern sogar sich selbst mit Dionysos identifiziert

Friedrich Nietzsche sendet Urlaubsgrüße aus Turin

“ … es ist ein Vorurteil, dass ich ein Mensch bin. Ich bin der Gekreuzigte. Ich bin Dionysos. Unerbittlich befinde ich mich im Kampf gegen … gegen alles und werte weiter die euch heiligen Werte um. Eure allzu menschliche Moral zer- und verstoße ich. Verzeiht, wenn ich mich zu vehement an euch wende, ihr seid ja noch so jung….

Tut es nicht als Dekadenz ab, wenn ich euch das große Fest des Daseins verkünde. Ihr sollt Dichter eures Lebens, zum Sinn der Kultur, zum Übermenschen in der ewigen Wiederkunft der Ereignisse werden, damit ihr nicht zu den Bestien des Banalen stürzt. Erhebt und überwindet euch. Erschafft Neues aus verbrannter Erde.

Vergesst niemals, dass Gott tot ist, doch unsere Irrtümer ihn immer neu erschaffen können. Die größte Kunst des Menschen ist, sich selbst zu täuschen und zu verzaubern. Nun seid frei von Ressentiment, und tanzt zu den Dionysien, die ich für euch veranstalte.

Euer Friedrich.

Athenische Feste für den Gott Dionysos

  • Drei athenische Feste galten dem Gott Dionysos.
  • Am bekanntesten sind die alljährlichen gefeierten Dionysien.
  • Im klassischen Athen wurde Dionysos als Erreger der Ekstase und auch als Gott der Masken verehrt.
  • Daher ist es auch kein Zufall, dass sich im Zuge des Dionysos-Kultes das athenische Theater entwickelte.
  • Auch ein Schauspieler gibt sein einzelnes Ich auf, um einen anderen aus sich sprechen zu lassen:
  • Einen Helden oder einen Gott.
  • Auch ein Schauspieler muss aus sich heraustreten, um sich mit einem anderen Wesen zu vereinigen.

Bildquellen:

© Wikipedia, Artikel Bacchus / Wikipedia, Artikel Dionysos

Literaturquellen:

Wikipedia, zu Dionysos relevante Stichworte / Gründliches mythologisches Lexikon (altdeutsch) / theoi.com (englisch) / maicar.com (englisch)/ Die großen Mythen der Antike (Youtube-Serie)

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